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Krise verringert Frauenpensionen

Von Martina Madner

Politik
Die zukünftigen Pensionen von Frauen könnten wegen der Krise geringer ausfallen.
© Unsplash/Andreea Popa

Frauen mussten schon vor der Corona-Krise mit oft geringen Pensionen auskommen. Wegen Arbeitslosigkeit, noch mehr Teilzeit und Selbständigkeit in von der Krise betroffenen Branchen droht ihnen ein zusätzlicher Schwund ihrer Pension.


Vor zwei Jahren durften Männer, wenn sie ihr Erwerbsarbeitsleben beendeten, im Mittel mit 2232 Euro brutto monatlicher Pension rechnen, Frauen mit nur 1133 Euro brutto. Frauen mussten also im Vergleich zu Männern mit knapp der Hälfte des Geldes auskommen - trotz Ausgleichszulage und anderer Zuschüsse, die vor allem so manch weibliche Pension auffetten.

Dafür gibt es mehrere Ursachen: Der Pensions-Gap ist im Wesentlichen eine Folge geringerer Fraueneinkommen im Laufe des Erwerbsarbeitslebens. Den geringeren Durchschnittsstundenlohn erhalten Frauen - Stichwort Teilzeit - für weniger Stunden. "14 Prozentpunkte des Pensionsgaps sind der geringen Anzahl an Betragsjahren geschuldet", erklärt Wifo-Pensionsexpertin Christine Mayrhuber. Schon vor der Corona-Krise sammelten Frauen um acht Jahre weniger als Männer an. Drei davon fehlten Frauen am Ende ihres Erwerbslebens, fünf durch Arbeitsunterbrechungen. Das führt dazu, dass Frauen insgesamt in Österreich um 40 Prozent weniger Pension als Männer hinnehmen müssen. Nur in Luxemburg, Malta und den Niederlanden ist der Pensions-Gap noch größer.

Bezahlte Arbeit erhöht die Pension später, unbezahlte aber nicht. Deshalb könnte die Corona-Krise mit ihren unterschiedlichen Belastungen in den Familien und Folgen für Frauen und Männer - sowohl am Arbeitsmarkt und unter Selbständigen - die ohnehin niedrigeren Pensionen von Frauen nochmals senken.

Weniger und gar keine Beiträge

Von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit waren laut Wifo-Studie gerade am Beginn Männer deutlicher vom Anstieg der Arbeitslosigkeit und der Kurzarbeit betroffen. Bei Frauen aber trifft es vermehrt auch gut Qualifizierte und die weibliche Arbeitslosigkeit konzentriert sich deutlicher auf Branchen wie den Tourismus, wo die Arbeitsmarktkrise länger anzudauern droht. Die 64.000, die im Juni im Vergleich zu Februar mehr arbeitslos waren, sind zu 85 Prozent weiblich, die "Wiener Zeitung" berichtete.

In Phasen der Arbeitslosigkeit fließen zwar weiterhin Gutschriften aufs Pensionskonto, aber: Während der Erwerbsarbeit sind es grob gesagt 1,78 Prozent des Jahreseinkommens. Während der Arbeitslosigkeit wird die 1,78-prozentige Gutschrift auf 70 Prozent reduziert, in der Notstandshilfe - bis Ende September noch ausgesetzt - sinkt sie nochmals auf 64 Prozent. Forba-Pensionsexpertin Ingrid Mairhuber stellt deshalb fest, dass lange Arbeitslosenphasen "sich massiv auf die Pensionshöhe später auswirken".

Noch drastischer aber seien die Auswirkungen bei Selbständigen: "Da ist die Situation bei manchen katastrophal", sagt Mairhuber. Während bei unselbständig Beschäftigten Kurzarbeit und Arbeitslose einen Teil der Pensionsbeiträge kompensieren, fehlt das bei den Selbständigen fast vollständig. Denn freiwillig arbeitslosenversichert sind laut Sozialversicherung der Selbständigen insgesamt nur rund 1000, gerade in den krisengebeutelten kreativen und persönlichen Dienstleistungen unter den Einzelselbständigen dürfte es einen hohen Frauenanteil geben.

Mayrhuber vom Wifo befürchtet deshalb "noch dramatischere Folgen bei der Alterssicherung selbständiger Frauen". Denn im besten Falle reduziere sich die Beitragsgrundlage mit den Auftrageinbrüchen auf den Mindestbeitrag zur Sozialversicherung, im schlechtesten Fall geben die Frauen mangels Aussicht auf Einkünfte ihre Tätigkeit auf, was zu fehlenden Versicherungszeiten in der Pensionsversicherung führt. Was die Höhe dieser Frauenpensionen anbelangt, ist Mayrhuber deshalb "sehr pessimistisch".

Unbezahlte Arbeit ist weiblich

In der ersten Phase des Shutdowns waren Mütter durch die Schul- und Kindergarten-Schließungen deutlich mehr belastet als Väter. Laut der WU-Arbeiterkammer-Zeitverwendungsstudie von Katharina Mader und Franziska Disslbacher übernahmen Frauen deutlich mehr von der Homeschooling-, Erziehungs- und Kinderbetreuungsarbeit als Männer - zum ohnehin größeren Anteil an unbezahlter Arbeit, den Frauen auch sonst übernehmen.

Während Männer in Paarbeziehungen mit Kindern mehr von der bezahlten Erwerbsarbeit übernahmen, schulterten die Frauen die unbezahlte Arbeit: In Familien mit zwei Elternteilen übernahmen die Mütter 9,4 Stunden unbezahlter Arbeit, Männer dagegen nur 6,9 Stunden. Bezahlt arbeiteten diese Frauen 4,8, ihre Partner aber 6,9 Stunden.

Von den wenigen, insgesamt 4874 bis Ende Juni, die bis zu drei Wochen Sonderbetreuungsurlaub in Anspruch nahmen, waren 3502, also fast drei Viertel, weiblich. Mairhuber von Forba sagt deshalb: "Bei einem Anstieg der Fallzahlen einfach Kinderbetreuung und Schulen zu schließen, ist keine Lösung für Frauen."