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Krisensignale ähnlich wie 2008

Von Stefan Melichar und Hermann Sileitsch

Wirtschaft

Nationalbank-Chef Nowotny ortet „gewisse Parallelen”. | Aktien und Öl auf Talfahrt, Unsicherheit bei den Banken.


Wien.Die Warnsignale könnten kaum deutlicher sein: Neben dem Absturz der wichtigsten Aktienmärkte weisen auch zahlreiche andere Marktindikatoren den Weg in eine mögliche weitere Rezession. Die aktuellen Entwicklungen ähneln - wenn nicht von der Intensität, dann doch von der Tendenz her - den dramatischen Ereignissen im Herbst 2008.

"Die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten rufen Erinnerungen an die Zeit nach Lehman wach", so der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, mit Verweis auf den Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008. Auch damals setzte es an den Börsen massive Kursverluste: Von seinem Allzeithoch von nicht ganz 5000 Punkten Anfang Juli 2007 rutschte der Wiener Aktien-Leitindex ATX bis März 2009 auf gerade noch etwas mehr als 1400 Punkte (Grafik 1). Nach einer zwischenzeitlichen Erholung auf knapp 3000 Punkte stürzte der Index in den vergangenen sechs Monaten erneut um rund 30 Prozent auf 2140 Punkte ab - mehr als 500 Punkte davon gingen in den vergangenen zwei Wochen verloren.

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim S&P-500-Index, der die Aktien der 500 wichtigsten börsenotierten US-Firmen umfasst (Grafik 2). Spannend ist dabei auch die Volatilitätsentwicklung: je stärker die Schwankungen, desto höher die Nervosität.

Starke Schwankungen

Beim Volatilitätsindex VIX (vulgo "Angst-Index", Grafik 3) werden die Preise bestimmter Wertpapiere verglichen, mit denen Investoren auf einen konkreten Stand des S&P 500 zu einem bestimmten zukünftigen Zeitpunkt wetten. Je weiter die Preise - und damit die Erwartungen der Anleger - auseinanderliegen, umso höher ist der VIX. In den Tagen nach der Lehman-Pleite schoss der Angst-Index auf ein Rekordhoch von knapp 80 Prozent. Zu Wochenbeginn erreichte er mit nicht ganz 50 Prozent den höchsten Wert seit März 2009.

Die Unsicherheit schlägt sich - wie nach dem Leh-man-Crash - auf den Bankensektor nieder. Aus Sorge, dass andere Finanzinstitute pleitegehen könnten, parkten europäische Banken ihr freies Geld lieber bei der Europäischen Zentralbank (EZB), als es sich untereinander zu verleihen. Im Zuge der Finanzkrise wurden manchmal weit mehr als 300 Milliarden Euro bei der EZB hinterlegt. Zuletzt hat es wieder einen Anstieg gegeben (Grafik 4). Im ORF-Radio erklärte Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny, dass die Krise zwar noch nicht so schlimm sei wie nach Lehman, dass es jedoch "gewisse Parallelen" gebe. Der Anstieg der Einlagen bei der EZB wäre "kein gutes Zeichen".

Kein gutes Zeichen für die Konjunkturentwicklung ist es, wenn der Ölpreis sinkt. Schwächelt die Wirtschaft, geht - mit der Nachfrage - der Preis des Energieträgers zurück. Rohöl der Sorte WTI büßte zuletzt rund ein Viertel seines Werts ein (Grafik 5).

Generell stark bewegt war im ersten Halbjahr der Weizenpreis (Grafik 6). Betrachtet man Gold, ist die Lehman-Krise gar nie vorüber gewesen: Der Preis des als Krisenhafen beliebten Edelmetalls kennt seit rund drei Jahren praktisch nur eine Richtung - nach oben.