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Kritik an Fördermittelverzicht

Von Christian Rösner

Politik

Von landesweit 123 EU-geförderten Nursing-Projekten gibt es nur drei in Wien, kritisiert die ÖVP.


Das sogenannte Community-Nursing soll Entlastung für das Gesundheitssystem bringen - auch in Wien. Konkret handelt es sich hier um von der EU geförderte Fachkräfte im Pflegebereich, die in der lokalen Gesundheitsversorgung niederschwellig, wohnortnah und bedarfsorientiert ihre Unterstützung anbieten sollen. Sprich: Es geht um mobiles Pflegepersonal, das vor dem Hintergrund der sinkenden Anzahl an Kassenärzten und der zum Teil schleppenden Errichtung geplanter Ärztezentren unterstützend wirken soll.

Vonseiten der EU stehen dafür in ganz Österreich rund 52 Millionen Euro zur Verfügung. Damit können 192 Community Nurse- Vollzeitäquivalente für drei Jahre finanziert werden. "Dieser Betrag beinhaltet Personalkosten inklusive Dienstgeberabgaben für die Community Nurses mit einem Anteil von bis zu 80 Prozent und Sachkosten bis zu 20 Prozent der genannten Gesamtsumme", heißt es in dem entsprechenden Fördercall. "Doch Wien schöpft diese Möglichkeit nicht aus", kritisiert Wiens ÖVP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec.

Der Politikerin zufolge wären österreichweit 150 Nursing-Projekte möglich gewesen, in allen neun Bundesländern haben schließlich 123 Projekte einen Fördervertrag vom Bund erhalten, mit Anfang April wurde in 95 Fällen mit der Umsetzung begonnen. "Und obwohl die Kapazität von 150 Projekten österreichweit deutlich unterschritten wurde, entfallen auf die Großstadt Wien nur drei solcher Pilotprojekte", erklärt Korosec - allein in Niederösterreich seien es 32.

Ins selbe Horn stößt Wiens ÖVP-Verfassungssprecher und stellvertretender Bezirksvorsteher von Liesing, Patrick Gasselich: Die Corona-Pandemie habe gezeigt, dass die Gesundheitsversorgung in den Wiener Grätzln gestärkt werden müsse - vor allem in den großen Bezirken, wo viele Menschen auf Autos angewiesen sind.

"Bereits abgedeckt"

"Es ist daher völlig unverständlich, wieso man in einem Flächenbezirk wie Liesing freiwillig auf bereitgestellte Förderungen und Ressourcen einfach verzichtet und die Projektförderungen nicht einreicht." Im Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker begründet man die Zurückhaltung bei den Förderanträgen mit dem bereits bestehenden flächendeckenden Angebot in diesem Bereich, das einen wesentlichen Teil der Aufgaben der Community Nurses abdecke.

"Die Beratungszentren des Fonds Soziales Wien (FSW) sind die zentralen Ansprechpartner zu Pflegethemen. Menschen mit Pflegebedarf in ganz Wien, aber auch ihre An- und Zugehörigen erhalten dort auf Basis ihrer individuellen Bedarfserhebung Beratung zu Vermittlung von Leistungen", erklärt dazu ein Sprecher.

Außerdem gebe es in Wien bereits ein mobiles Angebot, das Wiener ab 75 Jahren kostenlos ein persönliches Informationsgespräch zu Hause über Angebote und Leistungen informiere. Dazu würden noch viele Initiativen diverser Anbieter kommen, die auf die Gesundheitsförderung und soziale Teilhabe hinwirken. Deswegen verstehe man auch die Kritik nicht - "abgesehen davon, dass die ,nur‘ drei Pilotprojekte in sieben Bezirken umgesetzt werden", wie der Sprecher betont.

Die Community Nurses würden hier auf jeden Fall eine sinnvolle Ergänzung darstellen, besonders im Hinblick auf die Förderung und Aufrechterhaltung der Gesundheit und Lebensqualität der Wienerinnen und Wiener im Alter, heißt es.