Außenminister Spindelegger will am Montag Datum nennen. | Beitrittsvertrag wohl im Herbst unterzeichnet. | Brüssel. Die kroatischen EU-Beitrittsverhandlungen sind auf der Zielgeraden angelangt. Dass sie bereits im Juni formell abgeschlossen werden, ist eher unwahrscheinlich. Dennoch gibt es kaum Zweifel daran, dass der Beitrittsvertrag mit Kroatien noch vor Jahresende unter dem EU-Vorsitz der Polen feierlich unterzeichnet wird. Mit einem Beitritt des 28. Mitgliedslandes der Union wird Mitte 2013 gerechnet.
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Doch der Reihe nach: Am Montag treffen einander die Außenminister der Mitgliedstaaten. Dann wollen sie hinter verschlossenen Türen mit Erweiterungskommissar Stefan Füle das weitere Vorgehen besprechen. Klar ist allen, dass der Zeitplan sehr knapp ist.
Frühestens Anfang Juni könne die Kommission ihre Empfehlungen für den Abschluss der fünf noch offenen Kapitel verabschieden, hieß es. Schon dann wäre die abschließende Behandlung der EU-Dokumente in den Mitgliedstaaten kaum zu schaffen. Zusätzlich warnen die Niederlande, Belgien und Großbritannien vor überhasteten Schritten: Auch gegen Verhandlungsende dürfe mit offenen Fragen "nicht großzügig" umgegangen werden. Frankreich und Deutschland machen angeblich ebenfalls keinen Druck.
Unterstützung aus Wien und Bratislava
Denn noch sei für die beiden kritischen Bereiche Justiz und Grundrechte sowie Wettbewerbsfähigkeit - zu der etwa die Privatisierung der Werften gehört - nicht klar, ob die Bedingungen erfüllt sind. Am Freitag warteten die Experten noch auf letzte Informationen über die Reformfortschritte aus Zagreb.
Justizkommissarin Viviane Reding hat intern für ihren Bereich zwar vorab grünes Licht gegeben. Federführend ist allerdings Füle, und die Mitgliedstaaten müssen einstimmig ihr Placet geben.
Das will Ungarn unbedingt bis Ende Juni schaffen und kann dabei auf die volle Unterstützung Österreichs, der Slowakei und Italiens zählen. Der österreichische Außenminister Michael Spindelegger will am liebsten schon am Montag ein Beitrittsdatum für Kroatien nennen.
Wegen der damals viel zu früh versprochenen Daten für Bulgarien und Rumänien dürfen konkrete Termine inzwischen erst "nahe des Abschlusses" von Verhandlungen genannt werden. Dieses Stadium sei laut Füle erreicht, hieß es in EU-Kreisen. Diskutiert werde der 1. Juli 2013. Dabei handle es sich vorläufig nur um ein technisches Datum. Weil Kroatien bei seinem Beitritt ins EU-Budget eingebunden wird, benötigt die Kommission diesen Richtwert für die weitere Finanzplanung der Union.
Für die Unterzeichnung des Vertrags bis Jahresende sei unerheblich, ob die Verhandlungen im Juni, Juli oder September formell abgeschlossen würden, erklärte ein Experte. Der Beitrittsvertrag werde ohnehin laufend parallel dazu ausgearbeitet. Die Ratifizierung des Beitritts in den Mitgliedstaaten dauert dann üblicherweise höchstens eineinhalb Jahre. Inzwischen müssten auch die Kroaten per Referendum zustimmen.
Als plausibelste Version kursiert daher, dass beim EU-Gipfel im Juni offiziell ein Beitrittsdatum verkündet wird und die Ungarn ihren Erfolg bekommen. Die letzten "technischen Arbeiten" würden dann bis Ende Juli von den Polen abgeschlossen. Die überlegen für die Unterzeichnung des Beitrittsvertrags mit Kroatien bereits einen EU-Sondergipfel in Warschau im November.