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Kroatiens EU-Perspektive lockt Geschäftsleute an

Von Sissi Eigruber

Europaarchiv

Österreich ist in Kroatien der größte ausländische Investor und das Interesse der heimischen Firmen nimmt weiter zu, stellt der österreichische Handelsdelegierte in Kroatien, Peter Hasslacher im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" fest. "Im Sommer haben wir praktisch jeden Tag Anfragen gehabt", so der Experte der Außenwirtschaft Österreich (AWO).


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Dabei seien Unternehmen aus allen Branchen vertreten, die in Kroatien aktiv werden wollen oder einen Ausbau planen, wie jüngst etwa das Wiener Neustädter Unternehmen Diamond Aircraft Industries, das Kunststoff-Flugzeuge produziert oder der Lederproduzent (u.a. für Autositze) Boxmark. Einen Anstieg des Interesses an einer Geschäftstätigkeit in Kroatien verzeichnet Hasslacher in letzter Zeit auch bei Unternehmen aus dem Dienstleistungsbereich, wie etwa Personalvermittler oder Facility-Management.

"Die EU-Beitrittsperspektive ist dabei für die Geschäftsleute erstaunlich wichtig. Dadurch glauben sie zu wissen, wohin die Reise geht", meint Hasslacher. Dabei seien durch das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen schon wesentliche Handelshemmnisse zwischen der EU und Kroatien abgebaut. Die meisten Waren (außer Lebensmittel) könnten bereits zollfrei gehandelt werden. "Trotz Zoll sind österreichische Lebensmittel in Kroatien schon stark vertreten", erläutert Hasslacher, "Rauch, RedBull, NÖM findet man schon fast überall in Kroatien". Neben weiteren rechtlichen Vereinfachungen für Geschäftsbeziehungen - wie etwa die Niederlassungsfreiheit - sei die Aussicht auf den EU-Beitritt also vor allem psychologisch wichtig.

Wann die Beitrittsverhandlungen der EU mit Kroatien beginnen werden, hängt in erster Linie davon ab, ob bzw. wann Kroatien den vermeintlichen Kriegsverbrecher Ante Gotovina an das Kriegsverbrecher-Tribunal in Haag ausliefern wird. Kroatien versichert immer wieder, nicht zu wissen, wo sich der ehemalige kroatische General aufhält, dem unter anderem die Ermordung von 150 und Vertreibung mehrerer tausend Serben vorgeworfen wird. Die EU-Beitrittsverhandlungen sollen planmäßig Anfang nächsten Jahres beginnen, endgültig müssen dies die EU-Staats- und Regierungschefs bei ihrem Gipfel im Dezember entscheiden. Kroatien hofft auf einen EU-Beitritt im Jahr 2007. Spekuliert wird auch über einen Beitritt 2008 gemeinsam mit Rumänien, falls sich dort der Beitritt um ein Jahr verzögert (die "Wiener Zeitung" hat berichtet).