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"Krönungsparteitag" für Kerry und Edwards

Von Rainer Mayerhofer

Politik

4.353 Delegierte stellen während des am Montag beginnenden viertägigen Parteitages der Demokraten die Weichen für die Präsidentenwahlen am 2. November. Dass die "Krönung" von John F. Kerry ausgerechnet in Boston, der Hauptstadt seines Heimatstaates Massachusetts stattfindet, ist Zufall, denn der Ort wurde schon vor Jahren festgelegt, als noch niemand an Kerry als Kandidaten dachte. Manche halten es aber auch für ein gutes Vorzeichen.


Am Veranstaltungsort, dem 1995 erbauten Fleet Center, das bis zu 10.000 Personen aufnehmen kann, trifft sich, was in der Demokratischen Partei Rang und Namen hat. Die Ex-Präsidenten Jimmy Carter und Bill Clinton - mit Ehefrau Hillary - und Ex-Vizepräsident Al Gore werden ebenso dabei sein, wie der aus Boston stammende Kennedy-Clan unter Führung von Senator Edward Kennedy. Die Frau des republikanischen Gouverneurs von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger, die Kennedy-Nichte Maria Shriver, wird ebenso für Kerry eintreten wie der Sohn des kürzlich verstorbenen republikanischen Präsidenten Ronald Reagan. Auch der Regisseur Michael Moore, der vor vier Jahren noch den grünen Präsidentschaftskandidaten Ralph Nader unterstützt hat, wird am Parteitag für Kerry werben.

Eine Mannschaft von 75 Personen hat bereits begonnen, die blau-weiß-roten Luftballons aufzublasen, die auf die Delegierten niederregnen werden.

Rund 3.000 Sicherheitsbeamte werden in Boston über die Sicherheit der Delegierten wachen. Zwar liegen den US-Behörden keinerlei konkrete Hinweise auf einen möglicherweise geplanten Anschlag vor. Dennoch hat das Ministerium für Innere Sicherheit in Washington den Parteitag als mögliches Anschlagsziel des El-Kaida-Netzwerks benannt. Rund 65 Kilometer Zufahrtsstraßen zum Fleet Center werden abgesperrt. Polizeipatrouillen werden im Hafen der Neuenglandmetropole unterwegs sein, um zu verhindern, dass Terroristen an Land schwimmen oder schippern oder Waffen in das Stadtzentrum schmuggeln. Abwasserdeckel wurden bereits versiegelt, ebenso zahllose Briefkästen, Mülleimer und Zeitungsautomaten, die als Verstecke für Bomben dienen könnten, entfernt. Scharfe Sicherheitskontrollen finden auch in den meisten Hotels statt. Dort werden die Lüftungssysteme gegen einen möglichen Gasangriff gewappnet und die Zimmer nach Wanzen durchsucht. Kerry, der in den jüngsten Umfragen knapp vor dem amtierenden Präsidenten liegt, hat unmittelbar vor Beginn des Parteitages auch die Unterstützung seines letzten internen Rivalen, Dennis Kucinich erhalten, der Kerry und Edwards mit derselben Leidenschaft unterstützen will, mit der er seine eigene Vorwahlkampagne geführt hat.

Zum Parteitag der US-Demokraten sind erstmals so genannte Blogger für die Berichterstattung zugelassen, Autoren, die ihre Beiträge über eine eigene Website verbreiten. Die Blogger sollen bei der Veranstaltung in Boston genauso behandelt werden wie andere Reporter. Es ist sogar geplant, ein eigenes Frühstück für die Internet-Autoren zu organisieren.

Das Internet hat in diesem Jahr für den US-Wahlkampf enorme Bedeutung gewonnen. Den Trend setzte der in den Vorwahlen der Demokraten gescheiterte Ex-Gouverneur Howard Dean, der über sein Weblog Unterstützer im ganzen Land gewinnen und Millionensummen an Spenden eintreiben konnte. Die Demokraten sehen nach eigenen Angaben in den Weblogs vor allem eine Chance, Jungwähler zu erreichen.