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Kuba fürchtet den Tod eines weiteren Dissidenten

Von Rainer Mayerhofer

Politik

Spaniens Außenminister Moratinos vermittelt in Kuba. | 167 politische Häftlinge - niedrigster Stand seit 50 Jahren. | Wien/Havanna. Gut vier Monate nach dem Tod des politischen Häftlings Orlando Zapata, der am 23. Februar nach einem zweieinhalbmonatigen Hungerstreik starb, befürchtet man in Kuba, dass ein weiterer Dissident, der 48-jährige Guillermo Farinas, der sich seit dem Tod Zapatas im Hungerstreik befindet, sterben könnte.


In einem Kommuniqué, in dem Farinas von seinem bevorstehenden Tod spricht, macht er die Brüder Castro dafür verantwortlich. Farinas war am 26. Februar in den Hungerstreik getreten und fordert die Freilassung von 25 kranken politischen Häftlingen.

"Ich will in meiner Heimat sterben, vor den Augen der Diktatoren, die Pistolen, Gewehre, Kanonen und Bomben besitzen" schrieb Farinas, dem mehrfach angeboten worden war, sich im Ausland behandeln zu lassen.

Der Fall Farinas ist für die kubanischen Behörden besonders unangenehm, stammt der Psychologe und unabhängige Journalist doch aus einer Familie des kubanischen Revolutionsadels. Sein Vater kämpfte in den 60er Jahren an der Seite von Che Guevara im Kongo. Guillermo Farinas selbst war in den 80er Jahren in Angola im Einsatz und erhielt nach einer Verwundung militärische Ausbildung in der damaligen Sowjetunion. Zurückgekehrt nach Kuba, wurde er Generalsekretär der Gewerkschaft für Gesundheitsberufe. Als er einen Korruptionsskandal um den für das Spitalswesen zuständigen Direktor aufdeckte, wurde er im Jahr 1995 erstmals inhaftiert.

Im Jahr 2006 war er sieben Monate im Hungerstreik, um gegen die Internetzensur zu protestieren. Insgesamt führte er in den letzten Jahren 23 Hungerstreiks durch.

Farinas schlechter Gesundheitszustand kommt für die Kubaner zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Derzeit versucht der spanische Außenminister Miguel Angel Moratinos bei einem Besuch in Havanna zwischen Behörden und Kirche zu vermitteln, um die Freilassung weiterer politischer Häftlinge zu erreichen. Nach Angaben von kubanischen Menschenrechtsaktivisten fiel die Zahl der politischen Gefangenen seit Jahresbeginn von 201 auf 167 und hat damit den niedrigsten Stand seit der kubanischen Revolution im Jahr 1959 erreicht.