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Kubrick ist tot, lang lebe Kubrick!

Von Verena Franke

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Wie der Phönix steigt er aus der Asche und erscheint in einem Film, der Wellen schlägt. Es gibt kaum Arbeiten, in denen er am Ende nicht stirbt, und er imponiert wegen seiner "genialen Niederträchtigkeit". So überzeugte Klaus Maria Brandauer den Regie-Altmeister Francis Ford Coppola. Mit "Tetro" hat sich der Starregisseur nach "Der Pate"-Saga einer weiteren Familiengeschichte verschrieben - der "Kulturmontag" nahm sich umfangreich Montagnacht des Themas an, doch mit wenig Erfolg: Leider nur 218.000 Zuseher verfolgten den hochinteressanten cineastischen Beitrag.


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Ein dokumentarisch angehauchter Bericht zeigte neben Filmausschnitten, die die theatralischen Bilder in "film noir"-Stimmung erörterten, den wirklich fiesen Brandauer: "Es ist nur Platz für ein Genie in der Familie", lautet da eine der vielen Gemeinheiten, die Brandauer in der Rolle eines Stardirigent und despotischen Vaters seinem älteren Sohn an den Kopf wirft. Der Schauspieler mimt einen psychisch gewaltsamen Vater, der seine männliche Rivalität an seinen Söhnen auslebt. Bösartiger geht es kaum. Doch Brandauer entpuppt sich im anschließenden Interview mit Clarissa Stadler als genau das Gegenteil: Amüsant parliert er über die griechische Tragödie und erzählt einen Schwank von Moreno und Semmelweis. In altbekannter Körperhaltung: Brandauer verschränkt meist seine Arme fest vor der Brust. Und diese Haltung bewahrt er auch, wenn Clarissa Stadler ein ziemlicher Fauxpas passiert: Brandauer hätte gerne einmal mit Starregisseur Stanley Kubrick zusammengearbeitet. "Das kann ja noch kommen", meint Stadler, worauf Brandauer sie lächelnd korrigiert: Das wird schwer werden, denn er sei ja schon verstorben. Peinlich für eine Kulturjournalistin ihres Niveaus.