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Kulinarische Karriere und schäumender Erfolg

Von Peter Kantor

Wirtschaft

Wie ein Brauereidirektor sieht Hermann Brunner nicht aus. Eher wie ein sportlicher Manager, der sich ebenso schlank hält wie sein Unternehmen. Brunner ist beides, "seine" Brauerei Hirt daher eine der besten in Österreich. Porträt eines schäumenden Erfolgs.


Freibier ist natürlich auch Hermann Brunners liebste Sorte. Als gelernter Biertrinker muss er das sagen. Gleich darauf folge aber Hirter Privat Pils, und das sei keine Eigenwerbung, versichert der Geschäftsführer der Brauerei Hirt. Die Geschichte dazu liefert er nach: In den düsteren Zeiten des österreichischen Bierkartells (bis Ende 1980), als Bier nur in Gasthöfen der Region ausgeschenkt werden durfte, pilgerten Hirter-Fans von weit her in den kleinen Ort in Unterkärnten, um den begehrten Gerstensaft direkt von der Brauerei abzuholen. Eine besondere Rolle als Werbeträger kam den Studenten zu, und Brunner war einer von ihnen: "In Hirt wurde ausgiebig gerastet, das kleine Studentenauto mit Hirter Bierkisten vollgepackt und dann ging es wieder zurück an die Universität nach Wien". Das war Anfang der 70er Jahre, und Brunner dachte nicht im Traum daran, dass er rund 25 Jahre später an der Spitze des Unternehmens stehen würde.

Der von den Studenten entfachte "Mythos" wird in Hirt so gepflegt wie das Bier selbst. Mehr denn je seit 1996, als Brunner Geschäftsführer wurde. Nicht zufällig wurde der erfahrene Marketing-Mann zu dem Traditionsunternehmen geholt. Nach dem Abschluss der Hochschule für Welthandel 1975 in Wien schlug Brunner eine quasi kulinarische Karriere ein, die er mit einer kurzen Unterbrechung bis heute weiterverfolgt hat. Anfangs habe er bei Kuner in Wien noch Öle verkosten müssen, erzählt er scherzend. Bald schon habe er sich zu Würsten und Pasteten hochgearbeitet (bei Unilever in Holland). Es folgt ein weiterer "kulinarischer" Job als Marketing- und Verkaufsleiter bei Bahlsen. Nach einem dreijährigen von einem "Zuviel an Politik" geprägten Zwischenspiel als Geschäftsführer für Betriebsansiedlungen im Innovationspark Völkermarkt landet Brunner in Hirt und wieder bei den leiblichen Genüssen.

Imagekaiser

In den 5 Jahren an der Unternehmensspitze gelingt es ihm, das gute Image der Brauerei zum besten der Branche ausbauen. So bescheinigt eine aktuelle Meinungsumfrage dem Hirter Bier nicht nur die höchste Markenloyalität in Österreich. Ein Hirter-Schild über dem Gasthof weckt beim Besucher gar die Erwartungshaltung auf ein insgesamt qualitativ hochwertiges Gesamtangebot. Neben dem effizienten Marketing baut Brunner - und mit ihm die Brauerei - der Tradition gemäß auf exklusive Qualität. Nur so habe man die Jahrhunderte überdauern können, meint er. Erwähnt wurde der Betrieb schon 1270 - in einer leidigen Steuervorschreibung. Weshalb man sich zu den ältesten Privatbrauereien (und Steuerzahlern) Österreichs zählen darf.

. . .mit Qualität

Das Hirter Brauwasser werde aus 23 Quellen gefasst, erzählt Brunner und zeigt auf den der Brauerei gegenüberliegenden Lorenzenberg. Es ist mit seinen nur 6 Härtegraden so ideal beschaffen, dass es ohne irgendeine Aufbereitung zum Brauen verwendet werden kann. Dazu kommen die mit Sorgfalt gewählten Rohstoffe Hopfen und Gerste. Nicht zuletzt verzichtet die Brauerei auf thermische Behandlung und leistet sich eine lange Lagerung mit energieintensiver Kühlung. Dieser Qualitätsanspruch verbunden mit dem technischem Top-Standard (ISO 9001 Zertifizierung 1995) hat seinen Preis, und der liegt deutlich über dem der Konkurrenz. "Unsere Philosophie ist, klein und fein zu bleiben, und die Marktanteile qualitativ auszubauen", so Brunner. Die Teilnahme an Dumpingpreisaktionen komme daher nicht in Frage.

Der Pro-Kopf Bierkonsum der Österreicherinnen und Österreicher ist in den vergangenen Jahren von 125 Liter auf 108 Liter gesunken. Der 60-Mann-Betrieb Hirt hingegen konnte stetig zulegen, Absatz (rund 150.000 hl im Jahr 2000) und Umsatz (heuer etwa 210 Mill. Schilling) Jahr für Jahr steigern. "Im Sinn des neuen Gesundheitsbewusstseins wird bei Bier wie beim Wein weniger konsumiert, dafür aber mehr auf die Qualität geschaut", erklärt Brunner. Und das käme der Brauerei Hirt eben entgegen.

. . . und Vielfalt

Um auch in Zeiten eines stagnierenden Marktes ein "gesundes" Wachstum zu erzielen, will Hirter seine Raritäten forcieren. Hirter Biobier etwa gibt es seit 2 Jahren und kommt auf "Biokanälen" auch sehr gut an. Hopfen und Malz kommen bei diesem Produkt aus biologisch kontrolliertem österreichischem Landbau. "In typische Bierlokale wollen wir damit nicht, schließlich ist für den gelernten Biertrinker sein Bier ohnehin bio genug", weiß Brunner. Von Seiten der Bioklientel werde der Mehrpreis von 1 Schilling (Gastronomie, Handel) gerne bezahlt. Er decke aber die Mehrkosten nicht. Immerhin substituiert das Biobier nicht die anderen Sorten, sondern erschließt neue Käuferschichten. Beim Blindtest erweist sich das Biobier geschmacklich als vollwertig fruchtbetont und süffig. Der etwas geringere Alkoholanteil von 4,9% gegenüber Hirter Privat Pils (5,2%) und Hirter Märzen (5%) spielt erwartungsgemäß keine Rolle. Neben Privat Pils, Märzen und Biobier bietet Hirter weitere Besonderheiten. Die Auswahl reicht vom Hirter Classic über Morchl, Zwickl, Medium, Export Pils, "1270" und Festbock bis zum Radler, einer Mischung von Bier und Zitronenlimonade. Jedem "sein" Bier eben.

Erfolgreich ist der Betrieb nicht nur beim "Heimspiel" in Kärnten. Wien sei in den vergangenen Jahren mit den größten regionalen Zuwächsen zum zweitwichtigsten Markt geworden, zudem exportiere man seit 8 Jahren erfolgreich nach Italien, sagt Brunner. Damit der österreichische Adria-Urlauber auf sein Hirter nicht verzichten muss. Apropos Urlaub: Den Sommer verbringt der 50-jährige zweifache Familienvater am liebsten zu Hause. Er habe das Glück, im Urlaubsland Kärnten leben und arbeiten zu können, erklärt er. Hier kann Brunner auch seinen liebsten Freizeitbeschäftigungen Bergsteigen, Radfahren und Tennis gut nachgehen. Fährt er dann doch weg, dann geht es ans Meer: zum Segeln.