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Kulturwandel wird trotzdem schwierig

Von Tamara Arthofer

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Tamara Arthofer
Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.

Manchmal fällt es auch einem Meister des Sarkasmus wie Gary Lineker schwer, die Trennlinie zwischen Ironie und Wahrheit zu finden. Wenn er also der Fifa via Twitter dazu gratuliert, fünf Kandidaten gefunden zu haben, "die weder inhaftiert, noch angeklagt, gesperrt oder suspendiert sind", so ist da durchaus was dran. Andererseits: Die Fifa ging ja bisher recht willkürlich in ihren Entscheidungen vor, wer zum Kreis der ehrenwerten Männer zählt und wer nicht. Doch das soll sich nun alles ändern. "Dieser Kongress ist ein Schlüsselpunkt in der Geschichte", sagte Issa Hayatou, der interimistisch die Agenden von Sepp Blatter übernommen hat, salbungsvoll. Und: "Wir stehen gemeinsam in unserer Entschlossenheit, die Dinge geradezubiegen." Hayatou zählte übrigens einst zu den ISL-Schmiergeldempfängern. Aber was soll’s, irgendwer musste den Kongress ja leiten. Dort wurden dann auch tatsächlich wichtige Reformen beschlossen: Gewaltentrennung, Amtszeitbeschränkung, Integritätscheck, Good-Governance-Richtlinien und die Verankerung eines Bekenntnisses zu Menschenrechten in den Statuten - das sind große Schritte. Wer wird sich da um Kleinigkeiten kümmern wie die Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen auf den WM-2022-Baustellen oder gegen Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa, der zudem kurz vor seiner Wahl zum Chef der asiatischen Konföderation finanzielle Unterstützung an den pakistanischen Verband leistete?

Nun gut, dass Infantino die Fifa-Wahl gewann, kann tatsächlich als kleineres Übel gesehen werden, ändert aber nichts daran, dass man sich mit dem Kulturwandel nach wie vor schwer tut. Denn laut Hayatou war es eine "verschwindend kleine Minderheit", die die Fifa in Verruf gebracht habe. Man kann nur hoffen, dass auch das sarkastisch gemeint war. Sonst schaut’s mit der Zukunft traurig ist. Reformen hin, Infantino her.