Zum Hauptinhalt springen

Künast gegen Wowereit - Kampf um Berlin eröffnet

Von WZ-Korrespondentin Christine Zeiner

Europaarchiv

Grüne in der Hauptstadt Kopf an Kopf mit der SPD. | Berlin. Noch schlägt ihn Michael Häupl deutlich. Doch Klaus Wowereit arbeitet daran, es dem Wiener Amtskollegen gleich zu tun: Neun Jahre ist Wowereit nun Bürgermeister von Berlin, fünfzehn Jahre sind es bei Häupl. Im kommenden Herbst tritt Wowereit erneut an. | Porträt Renate Künast


Eine "gmahte Wiesn" wie es in Wien für Häupl war, wird es aber für den Berliner nicht werden: In den Umfragen liegt die SPD nicht mehr vorne. Sie wurde von den Grünen überholt, die in der Hauptstadt nun auf 27 Prozent kommen - ein Punkt mehr als die SPD erhielte. Der smarte 56-Jährige ist nicht mehr so populär, wie er einmal war. Zu viel Party und Glitzer, zu wenig nahe bei den Menschen, wurde ihm, der Berlin mit "arm, aber sexy" beschrieben hatte, immer wieder von Medien bescheinigt. Aber immerhin hat "Wowi" im Vergleich zum Juli drei Punkte in den Umfragen aufgeholt. Bei einer Direktwahl läge er gleichauf mit der voraussichtlichen Spitzenkandidatin der Grünen. Am 5. November will Renate Künast laut Medienberichten bekanntgeben, dass sie 2011 ebenfalls bei der Wahl um das Bürgermeisteramt antritt.

Künast hält sich zurück

Doch in Euphorie will Künast angesichts der guten Umfragewerte für sich und ihre Partei nicht verfallen - wie sich überhaupt die Grünen insgesamt eher zurückhaltend zeigen. Eine Stimmung seien noch keine Stimmen, sagt Künast. Die Grünen profitieren zurzeit von der mäßigen Begeisterung für die Bundesregierung, die beispielsweise den Ausstieg vom Atomausstieg beschlossen hat und ein Sparpaket, das Gutverdiener schont.

Dass die derzeitige Fraktionschefin in Berlin kandidieren könnte, hört man seit gut einem Jahr. Gepaart mit den stetig steigenden Umfragewerten der Grünen konnte Künast kaum absagen. Allerdings soll sie nur wirklich in die Kommunalpolitik wechseln wollen, wenn sie auch Bürgermeisterin wird. Sollte sich Künast aber die Entscheidung tatsächlich offen halten, wird dies Wowereit zu nützen wissen: Künast bekenne sich nicht richtig zu Berlin, wird man dann hören.

"Wenn sie in Berlin kandidieren will, dann aber bitte ohne Wenn und Aber", hat Wowereit bereits gestern erklärt und den "Zweikampf" eröffnet: Im Ostteil der Hauptstadt ist der Amtsinhaber derzeit beliebter als die voraussichtliche Herausforderin. 48 Prozent würden ihm, 35 Prozent Künast bei einer Direktwahl die Stimme geben. Im Westteil liegt hingegen Künast mit 44 Prozent vor Wowereit, der auf 35 Prozent kommt.