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Kunde wird die Zeche zahlen

Von Karl Leban

Wirtschaft

Kapitalbedarf für Bankensektor in mehrfacher Milliardenhöhe. | Die Bankensteuer belastet zusätzlich. | Problem: Banken verdienen zu wenig. | Wien. Den heimischen Banken steht ein ganzes Bündel an Zusatzkosten ins Haus - vor allem durch strengere internationale Eigenkapitalvorschriften, durch die Bankensteuer und durch eine europaweit nachgebesserte Einlagensicherung, die gerade diskutiert wird. Da sie diese Kosten auch verdienen müssen, ist absehbar, dass Bankdienstleistungen generell teurer werden. Die Zeche wird somit der Kunde zahlen.


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Was diesen Schluss untermauert: Das klassische Zinsgeschäft im Inland wirft für die Geldinstitute nach Einschätzung der Nationalbank zu wenig Ertrag ab - und die einstigen Boomzeiten in Osteuropa kommen nicht so schnell wieder.

2009 haben die österreichischen Banken ohne ihre Auslandstöchter laut ersten Zahlen lediglich 280 Millionen Euro verdient (nach 1,9 Milliarden Euro im Jahr davor). Hauptgrund dafür waren zwar die Riesenverluste von Problembanken wie Hypo Alpe Adria und Volksbank AG. Doch ein Aspekt spielt bei den mageren Gewinnen des Bankensektors ebenfalls eine Rolle: Die traditionell niedrigen Zinsmargen, noch vor zehn Jahren bei 1,9 Prozent, sind weiter abgerutscht - auf unter 0,9 Prozent.

Die Notenbank zeigt sich angesichts der jüngsten Entwicklung im Kerngeschäft mit Krediten und Einlagen "unangenehm überrascht". "Die geringen Zinsspannen lassen vermuten, dass die Risikokosten bei den Banken nicht im vollen Umfang abgedeckt sind", erklärt Andreas Ittner, der als Nationalbank-Direktor unter anderem für die Bankenaufsicht zuständig ist. Sein Fazit: "Die Situation ist ernst zu nehmen."

Die engen Zinsspannen in Österreich sind eine direkte Folge des scharfen Wettbewerbs, dem sich Finanzinstitute hierzulande durch die im internationalen Vergleich überproportional hohe Filial- und Bankendichte ausgesetzt sehen. Von diesem Wettbewerb haben die Konsumenten bis heute lange Zeit profitiert.

"Zusätzliche Erträge"

Ob Österreichs Banken nun die Preise und Gebühren erhöhen sollen, ließ Ittner am Mittwoch im Klub der Wirtschaftspublizisten offen. Er sagte lediglich: "Es müssen zusätzliche Erträge lukriert werden." Wobei gleichzeitig aber feststeht, dass ein Ausweichen in riskante Spekulationsgeschäfte bei den Finanzaufsehern als nicht erwünscht gilt.

Insgesamt sieht Ittner die Stabilität des heimischen Finanzmarkts inzwischen gefestigt, es könne aber noch keine Entwarnung gegeben werden. Der Grund: In Osteuropa, wo Österreichs Banken besonders stark vertreten sind, sei der Gipfel bei den Kreditwertberichtigungen noch nicht erreicht.

Derzeit läuft eine Initiative, um die Vergabe von Krediten in fremder Währung dort überhaupt zu stoppen. Dazu sei man mit den Banken schon einig, so Ittner. Rund 120 Milliarden Euro haben österreichische Institute in Ost- und Südosteuropa in fremder Währung an Private verliehen. Das sind knapp 50 Prozent ihres gesamten Kreditobligos in der Region. Aufgrund der Währungsturbulenzen in Osteuropa infolge der Finanzkrise sind vor allem Fremdwährungskredite notleidend geworden.

Aufholbedarf bei Kapital

Bei der Kapitalisierung hätten sich Österreichs Banken verbessert - nicht zuletzt durch das staatliche Hilfspaket, berichtete Ittner weiter. Im internationalen Vergleich sei die Ausstattung mit Eigenkapital aber immer noch unterdurchschnittlich. Heißt im Klartext: Die Banken haben hier noch deutlichen Aufholbedarf. Vor allem auch vor dem Hintergrund der künftig wesentlich verschärften Kapitalregeln (Stichwort: Basel III). Für die laufen gerade Auswirkungsstudien, bis Ende 2012 sollen sie international umgesetzt werden.

Ittner nannte zwar keine konkrete Zahl, wieviel Kapital die heimischen Banken aufbringen werden müssen. Aber er bestätigte zumindest, dass mit einem Gesamtbetrag "in einstelliger bis niedriger zweistelliger Milliardenhöhe" zu rechnen sei (also um die zehn Milliarden). Gleichzeitig betonte der Nationalbank-Direktor: "Wir müssen uns bewusst sein, dass mehr Sicherheit nicht umsonst ist." Womit letztlich wieder der Kunde ins Spiel kommt.