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Kunst als Spielball direkter Demokratie

Von Judith Belfkih

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Die Österreichische Nationalbibliothek jubelt. Die erste Crowdfunding-Kampagne des Hauses erwies sich als Erfolg. Schon nach 24 Tagen war das Ziel von 15.500 Euro erreicht, insgesamt wurden 26.315 Euro überwiesen. Mit dem Geld kann nun ein Prachtband zu Maria Theresia aus 1740 restauriert und 2017 anlässlich einer Schau zu deren 300. Geburtstag präsentiert werden. Engagierte Privatpersonen retten Kultur - so weit so erfreulich. Sofern das nicht Schule macht und zur gängigen Finanzierungsform wird. Kunst eignet sich in all der ihr zugrunde liegenden Freiheit äußerst schlecht für direkte Demokratie.

Italiens Premier Matteo Renzi hat erst jüngst eine Aktion lanciert, die erahnen lässt, in welche Richtung es in Sachen Kulturpolitik künftig gehen könnte: Italien spendiert jedem 18-Jährigen 500 Euro. Das Geld ist zweckgebunden für Kino-, Theater- und Konzerttickets, Eintritte für Museen oder den Erwerb von Büchern. Eine halbe Million 18-Jähriger profitiert davon, es geht also um 250 Millionen Euro. Das entspricht zwei Jahresbudgets der Wiener Staatsoper plus einem Salzburger Festspielsommer. Der Kunstbonus ist also eine Quersubventionierung für die um jeden Euro kämpfenden Kulturinstitutionen Italiens. Für politische Verantwortung spricht die Aktion nicht. Subventionsverteilung als basisdemokratischer Akt, dem Geschmack der Masse folgend? Oder gleich als Aufforderung an Private, sich die bevorzugten Kunstprojekte doch gleich selbst zu finanzieren? So viel Neoliberalismus ist erschreckend. Jeder Steuerzahler bezahlt den Staat schließlich dafür, Verantwortung zu übernehmen. Auch und gerade für die Kunst.