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Kunst braucht Öffentlichkeit

Von Judith Belfkih

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Der Aufschrei war riesig, als "unsere Goldene Adele" 2006 das Land verlassen musste; die nationale Empörung noch größer, als das Klimt-Gemälde daraufhin auch noch in den USA an den Meistbietenden versteigert wurde. Den Ausverkauf der Kulturnation Österreich orteten manche, wenn nicht gar des Abendlandes. Der Grund war so gut wie allen Kritikern einleuchtend: Ein österreichisches Schiedsgericht hatte auf Rückgabe von fünf Klimt-Werken (darunter "Adele Bloch-Bauer I & II") aus der Sammlung Bloch-Bauer entschieden - es war das Ende eines erbittert geführten und sehr komplexen Restitutionsstreites.

Im Zentrum der Kritik standen weder das Belvedere, in dem die Gemälde waren, noch Maria Altmann, die als eine der Erben das Verfahren begleitete. Der Unmut richtete sich gegen die Republik, die sich nicht dazu entschließen konnte, die Bilder zu erwerben und damit indirekt einen kleinen Teil an Verantwortung zu übernehmen für die vielen bis heute nicht dokumentierten, geschweige denn restituierten Raubkunst-Fälle der NS-Zeit.

Bedauerlicher als der Eigentümerwechsel war für Kunstfreunde die Tatsache, dass die meisten Bilder - "Adele Bloch-Bauer I" etwa ist in der Neuen Galerie in New York zu sehen - aus der Öffentlichkeit verschwanden. Denn Kunst mag zwar in Depots auch an Wert gewinnen. Gemacht wurde sie jedoch für menschliche Augen, die sie betrachten, und nicht für die ewige Dunkelheit.

Dass "Adele Bloch-Bauer II" nun an einen chinesischen Kunstliebhaber verkauft wurde, der womöglich bereit ist, das Werk wieder zugänglich zu machen, ist somit eine sehr erfreuliche Nachricht.