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Kunst der feinen Nadelstiche

Von Christa Karas

Wissen

Seit mehr als 4.000 Jahren beherrschen chinesische Ärzte die Kunst der feinen Nadelstiche. In Österreich bedurfte es wahrer Pionierleistungen solch hervorragender Mediziner wie Dr. Johannes Bischko, ehe die Methode - vor 32 Jahren - allmählich etabliert werden konnte: Damals wurde, erstmals in der westlichen Welt, eine Operation unter "Akupunktur-Anästhesie" durchgeführt, und zwar eine Tonsillektomie (Mandelentfernung) an der Wiener Poliklinik. Die Nadeln setzte Bischko. Seither weiß auch der Westen, dass die Methode funktioniert. Nur das "Wie" wird weiter untersucht, mittlerweile mit den modernsten und feinsten technischen Messmethoden.


Bei neun von zehn Leidenden, so das Ergebnis der bisher größten Studie an mehr als 40.000 Patienten, die mit finanzieller Unterstützung der Krankenkassen in Deutschland durchgeführt wurde, lindert Akupunktur den Schmerz. Nun soll in einer zweiten Studienphase überprüft werden, wie wirksam die Methode im Vergleich zur konventionellen Schmerzbehandlung ist und ob bzw. inwieweit ihr Erfolg auch auf einen Placebo-Effekt zurück zu führen sein könnte.

Allerdings setzt die Akupunktur-Therapie ein völlig anderes Verständnis des Organismus voraus, um erfolgreich eingesetzt werden zu können. Bereits die vorwissenschaftliche Medizin Chinas unterschied 14 Meridiane mit rund 700 Hauptakupunktur-Punkten, an denen durch Einstechen von Gold-, Silber- oder Stahlnadeln Erkrankungen der verschiedenen Organe und Funktionssysteme behandelt werden können.

In den 14 Meridianen fließt die Lebensenergie Qi, doch Krankheit infolge eines gestörten Energiegleichgewichtes der Gegensatzpaare Yin und Yang behindert diesen freien Fluss, der durch die Nadelreizung wieder hergestellt werden soll.

Dass Akupunktur auch zur Analgesie (Schmerzbetäubung) eingesetzt werden kann, wurde selbst in China erst spät, nämlich nach dem Zweiten Weltkrieg, erkannt, als auch der Westen - nämlich französische Ärzte - in diese Richtung forschte, was etwa zur Aurikulo-Therapie führte, also zur Akupunktur über die Ohrmuscheln und -läppchen.

Heute hat die Akupunktur neben der Behebung von Funktionsstörungen sogar eines ihrer Hauptanwendungsgebiete in der Schmerzbekämpfung. Dass der Weg bis dahin derart zäh war, lag nicht nur an den Vorbehalten der klassischen westlichen Schulmedizin, sondern öfter noch am Mangel an freiwilligen Testpersonen und schließlich auch am umfangreichen Zusatzstudium für die Mediziner. In Österreich wurde bereits im Jahr 1972 ein Ludwig Boltzmann Institut für Akupunktur gegründet, das sich seit 1990 ebenso wie die Akupunktur-Ambulanz und die Österreichische Gesellschaft für Akupunktur im Wiener Kaiserin Elisabeth-Spital befindet. (Infos: http://www.akupunktur.at )

Neue Wege zur Objektivierung der Akupunktur gehen indessen Univ.-Prof. Dr. Gerhard Litscher und seine Kollegen von der Biomedizintechnischen Forschung an der Grazer Universitätsklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, wie die "Medical Tribune" jüngst berichtete: Per Neuromonitoring, also "mit neuen biomedizintechnischen Konstruktionen, die Licht, Ultraschall und höchst sensitive bioelektrische Messverfahren beinhalten, kann erstmals in Dimensionen gemessen werden, in denen reproduzierbar spezifische Effekte der Akupunktur im Gehirn nachweisbar sind".

Mit bisher ausgezeichneten Resultaten, die dem Akupunkteur mit Hilfe von Thermographie, Laser-Doppler-Imaging, Transkranieller Dopplersonographie und Nahinfrarot-Spektroskopie in Zukunft völlig objektive Daten liefern können.