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Kunst hat Recht auf Bezahlung

Von Andrea Möchel

Wirtschaft
Kreativität braucht eine wirtschaftliche Grundlage.
© © olly - Fotolia

Heimische Kunstschaffende gegen illegale Gratis-Downloads.


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Wien. Künstler in Norwegen müsste man sein - das denkt sich wohl mancher österreichische Kunstschaffende dieser Tage. Der Grund: Norwegens Kreative können sich seit 1977 um ein sogenanntes "Garantiinntekt", ein garantiertes Einkommen bewerben, das aus dem Budget des Kulturministeriums bezahlt wird.

"Gegen ein Grundeinkommen für alle ist absolut nichts einzuwenden - aber warum gerade und nur für Künstler?", ist hingegen Julya Rabinowich, Autorin und Mit-Initiatorin der Initiative "Kunst hat Recht" skeptisch. "Kunstschaffende haben mehr davon, wenn die Verträge nicht sittenwidrig sind, die Leistungen ordnungsgemäß bezahlt werden und die Rechte der Künstler gewahrt bleiben."

Ruinöse Gratiskultur

Doch genau daran hapert es. Schuld daran ist die sogenannte Gratis-Kultur - der unbezahlte Konsum von Musik, Filmen, Bildern und Texten im Internet, der für Künstler längst ein existenzbedrohendes Ausmaß angenommen hat. "Hierzulande lebt ein Drittel der heimischen Kunstschaffenden unterhalb der Armutsgrenze", schlägt die Initiative "Kunst hat Recht" Alarm, zu deren Initiatoren unter anderem die Schauspielerin Mercedes Echerer, die Autoren Karl-Markus Gauß und Gerhard Ruiss, Musiker Willi Resetarits und Regisseur Harald Sicheritz zählen. Ziel der Initiative ist es, ein zeitgemäßes Urheberrecht durchzusetzen, das dem Problem illegaler Gratis-Downloads effektiv begegnet.

Und die Zahlen sprechen für sich: So hat sich der Umsatz des heimischen Musikmarkts in den vergangenen zehn Jahren halbiert, auf dem Literatursektor werden bereits zwei Drittel aller E-Books raubkopiert, und Filme finden auf Online-Plattformen schon vor dem Kinostart illegale Verbreitung. Besonders hart trifft die Gratis-Nutzung von digitalen Bildern Fotografen und Bildende Künstler, für die Bildvergütungen naturgemäß existenziell sind.

Die beiden Hauptforderungen der Initiative lauten daher: die Einsetzung einer Regierungskommission, die noch in diesem Jahr einen konkreten Plan für ein zeitgemäßes Urheberrecht und seine Durchsetzung ausarbeitet, sowie das Bekenntnis zur Festplattenabgabe, mit der für privates Kopieren bezahlt wird.

"Mit dem dafür zuständigen Justizministerium sind wir bereits in Gesprächen", bestätigt Sandra Csillag, Geschäftsführerin der Literar Mechana und Unterstützerin der Initiative gegenüber der "Wiener Zeitung". "Und mit der für Kunst zuständigen Bundesministerin Claudia Schmied stehen wir schon seit längerem in einem positiven Dialog."

Der Acta-Streit

Weit weniger begeistert reagierten freilich Teile der Kreativbranche auf die Forderungen der Initiative. "Die Reaktionen waren durchwegs gemischt, von breiter bis teilweiser Zustimmung, über den Graubereich der Unentschlossenen bis zu wilder Aggression ist alles dabei gewesen", schildert Julya Rabinowich. "Was mich erschüttert hat, war die Bereitschaft mancher Gegner der Initiative, vor allem im Schutze der Anonymität des Netzes derart übergriffig und brutal zu werden." So werfen Netzaktivisten der Initiative vor, mit ihren Forderungen für das umstrittene Acta-Abkommen und damit für die Abschaffung der Bürgerrechte im Internet einzutreten. Acta steht für "Anti Counterfeiting Trade Agreement", und ist ein höchst umstrittenes internationales Handelsabkommen gegen Produktpiraterie, das noch heuer in Kraft treten soll.

"Die Kunstschaffenden hatten und haben keinen Einfluss auf die Gestaltung des Abkommens", stellt Csillag im Namen der Initiative klar. "Unsere Forderungen richten sich an den Gesetzgeber. Wir lehnen darin aber dezidiert jede Form von Überwachung des Einzelnen und die Beschneidung von Bürgerrechten ab, ebenso die Kriminalisierung der User oder die rechtliche Verfolgung privater Downloads von urheberrechtlich geschützten Werken."

Der Autor Gerhard Ruiss bringt die Misere so auf den Punkt: "Jedem Handwerker wird eine faire Bezahlung seiner Leistungen zugestanden. Wenn es aber nach den Vertretern der Internet-Industrie geht, sollen wir Künstler gratis arbeiten."