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Künstler im Schmollwinkerl

Von Christina Böck

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Na bitte. Auch anderswo gibt es Kalamitäten im Museumsbereich. Zum Beispiel in Los Angeles. Da ist man auch nicht um einen anständigen Kunst-Eklat verlegen. Im Los Angeles Museum of Contemporary Art haben sich jetzt alle Künstler aus dem Aufsichtsrat zurückgezogen - aus Protest gegen den Direktor. Der hat sich nämlich vor ein paar Wochen des Chefkurators entledigt - der den Job 22 Jahre gemacht hat. Um sich den blauen Brief abzuholen, wurde jener Paul Schimmel immerhin stilecht in die Residenz des potentesten Hausmäzens geschickt.

Vor kurzem ist nun der renommierte Künstler Ed Ruscha dem noch renommierteren Künstler John Baldessari aus dem Aufsichtsrat ins Schmollwinkerl gefolgt. Damit wollen sie ein Zeichen dagegen setzen, dass der Direktor Jeffrey Deitch nun auch die kuratorische Leitung übernimmt. Sie befürchten, er werde das Museum in den Abgrund des Kommerzes stürzen. Seine Ankündigung, dass die nächste Schau sich um Discokultur drehen soll, hat Baldessari besonders erregt. Nun ist das vielleicht ein bisschen streng aufgefasst - dass die Popkultur mittlerweile auch Einzug in hehre Ausstellungshäuser gehalten hat, sollte gerade in Kalifornien keine Neuigkeit sein. Andererseits ist es verständlich, dass man in der Nachbarschaft von Hollywood besonders aufpassen will, nicht zur Celebrity-Absteige zu verkommen. Wo die Qualität einer Ausstellung danach bewertet wird, ob Brad Pitt und Angelina Jolie bei der Vernissage posiert haben. Übrigens: Schon lange kein Hollywoodstar mehr in der Albertina vorbeigeschaut . . .