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Künstler-Jahresausgleich macht Steuererleichterung möglich

Von Alfred Abel

Wirtschaft

Der freundliche Herr in der Info-Stelle des Finanzamtes hatte schon davon gehört, aber hinter dem wissbegierigen Fragesteller baute sich schon eine längere Schlange mit Paketen von Fragen zur Lohn- und Einkommensteuer auf, und da traf der Mann hinter dem Amtsschalter eine salomonische Lösung: Er ließ sich von dem interessierten Steuerzahler dessen Telefonnummer geben und würde sich am nächsten Tag mit der gewünschten Auskunft wieder melden. Am nächsten Tag meldete sich eine freundliche Dame zum Thema Schriftsteller-Begünstigung und berichtete, was sie herausgefunden hatte.


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Prof. L. S. ist ein Künstler - auch von der Finanz unbezweifelt. Seine Oeuvres sind anerkannt, Schmuck stücke von internationalen Galerien gefragt - und dementsprechend "preisangemessen".

Seine Einkommensteuererklärungen erfreuen auch das Herz des Finanzministers. Das gilt etwa auch für jene des Jahres 2004, die dem akademischen Maler einigen Kummer bereiten könnte.

Wäre da nicht die Begünstigung des § 37 Abs. 9 EStG, die Künstlern und/oder Schriftstellern mit unterschiedlichen Gewinnüberschüssen für die letzten drei Steuerjahre eine Einkünfte-Durchschnittsrechnung (also eine Art Jahresausgleich) bieten könnte; ein Jahresausgleich, der die unterschiedlichen freiberuflichen Einkünfte dieses Dreierblocks zu nivellieren hilft. Und damit dazu beitragen kann, die Steuerprogression dieser Jahre auszugleichen.

Drei-Jahre-Einkünftemix

An einem simplen Beispiel: Im Jahr 2002 zog der Künstler sujetsuchend um die halbe Welt, holte sich auf unzähligen Blocks Impressionen für ein neues Album, verbrachte täglich mindestens sieben Stunden in Museen und anderen Kunsthallen und provozierte fernsehgerecht alle möglichen angesehenen Journalisten mit seinen Thesen.

In Anfragebeantwortung zu seiner Steuererklärung 2002 musste er zugeben, dass er all das aus Erspartem und aus Kreditmitteln finanziert habe. Prof. S. war eine Persönlichkeit, der auch das Finanzamt Glauben schenkte.

Auch das Jahr 2003 des professoralen Künstlers war eines, dessen Steuererklärung einen Verlust auswies, von dem sich der Finanzminister nichts abschneiden konnte. Aber es war - dank der fleißigen Sujetsuche und dank fleißiger Aufarbeitung der 2003 gewonnenen Eindrücke - schon eine "Gewinnwarnung" für 2004. Tatsächlich zeigte der Entwurf der Einkommensteuererklärung 2004 aber ein Superergebnis - und zwar eines, das den Professor (hinsichtlich des zu erwartenden steuerpflichtigen Gewinnes) "umwerfen würde".

Hier kommt der oben erwähnte 37/9 ins Spiel. Jener Paragraph, mit dem man zwar die Einkommensteuer nicht verhindern, aber durch den erwähnten "Jahresausgleich" mindern kann. (die " Wiener Zeitung " hat über das progressionsbrechende Verfahren berichtet). Im Falle des Prof. S. müsste er die gesamten Einkünfte aus künstlerischer Arbeit des Jahres 2004 (unter Buchstabe a) in das Formular E 1 eintragen und 2/3 davon (unter Buchstabe e /Code-Nr. 325) wieder abziehen. Auch das Finanzamt zieht sie aus den 2004-Einkünften wieder ab und ordnet sie den Einkommensteuererklärungen 2002 und 2003 zu.

Das führt also praktisch dazu, dass die mit hoher Steuerprogression belasteten Einkünfte aus künstlerischer Arbeit auf drei Jahre mit niederer Progression verteilt werden; in unserem Fall zu je 1/3 nach 2004 und (rückwirkend) nach 2002 und 2003.

Ein paar Sätze zum verfahrensmäßigen Ablauf. Die "Rückverteilung" des hohen künstlerischen Gewinnes ex 2004 auf die beiden mageren Vorjahre soll zu keinem Missbrauch der Begünstigungsklausel führen. Daher kann man den Antrag auf Rückverlagerung in die beiden direkt vorangehenden Steuerjahre immer nur einmal stellen. Und die Rückverlagerung kann mitunter auch zu einer unerwarteten Vorschreibung von Anspruchszinsen führen. Wenn nämlich durch den Gewinnrücktrag (hier: von 2004 nach 2002 und 2003) in den beiden Vorjahren ein zwar kleines (steuerlich irrelevantes) Einkommen entsteht, aber immerhin eines, das für 2002 und 2003 zur Nachvorschreibung von Anspruchszinsen führt, dann kann man diesen Zinsen auch durch Berufung nicht entgegentreten.

Der § 37/9 kann zufolge seiner Jahresausgleichs-Wirkung für Künstler und/oder Schriftsteller zu einer interessanten Abgabenersparnis führen; man sollte das zu erwartende Ergebnis aber doch vorher durchrechnen.