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Künstliche Aufregung statt ernste Debatte

Von Tamara Arthofer

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Tamara Arthofer
Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.

Wer Jürgen Klopp will, der kriegt ihn, ganz oder gar nicht, Kontroversen inklusive. Und so haben Liverpool und der englische Fußball nur zwei Wochen nach der Bestellung des Ex-Borussia-Meistercoaches schon ihren ersten Vorfall, der sich im diesbezüglich zuverlässigen Boulevard zu einer "Der Verein gegen das Land"-Debatte zimmern ließ. Denn Klopp hatte sich tatsächlich angemaßt, den englischen Verband FA zu kritisieren, weil Mittelfeldspieler Jordan Rossiter als Souvenir seiner Auftritte beim U19-Nationalteam einen Muskelfaserriss nach Liverpool mitnahm. Drei Spiele über die volle Zeit binnen fünf oder sechs Tagen, das sei für einen 18-Jährigen einfach zu viel, sagte Klopp also. Es bestehe Gesprächsbedarf. Denn: "Diese Spieler sind unsere Zukunft. Wenn wir sie wie Pferde behandeln, werden wir Pferde bekommen." Das reichte für einen mittleren Skandal. Dabei ist die Aufregung eine künstliche: Zum einen sind die Diskussionen zwischen Klub- und Teamvertretern nach Verletzungen von Spielern alt wie der Profi-Fußball selbst; zum anderen dürfte ihm kaum jemand in seiner Feststellung widersprechen, man müsse darauf achten, jungen Spielern Praxis angedeihen zu lassen, ohne sie dabei aber in ihrer körperlichen Entwicklung zu überfordern. Denn auch das sagte Klopp - es interessierte nur keinen mehr. Die Schlagzeilen waren vor seinem ersten Heimspiel als Liverpool-Coach in der Europa League gegen Rubin Kasan am Donnerstag nach Redaktionsschluss (zur gleichen Zeit spielte auch Rapid gegen Viktoria Pilsen, Bericht auf www.wienerzeitung.at/sport) geschrieben. Dabei täte die FA gut daran, ihre Nachwuchsarbeit zu überdenken. Denn wenngleich das freilich auch andere Gründe hat: Mit besonderen Erfolgen haben sich die Three Lions zuletzt nicht gerade hervorgetan.