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"Kurzarbeit auf lange Sicht eine Chimäre"

Von Eva Stanzl

Wirtschaft

Androsch kontert Kritik: Jobgarantien wären unseriös. | Dividendenstopp 2009/10 möglich. | Wien. Hannes Androsch, Miteigentümer und Aufsichtsratspräsident des steirischen Leiterplatten-Herstellers AT&S, sieht sich heftiger Kritik ausgesetzt. AT&S hatte am Donnerstag bekanntgegeben, seine Massenfertigung von Leoben nach China abzuziehen. 300 Mitarbeiter verlieren ihren Job.


Nach Ernst Strasser, ÖVP-Spitzenkandidat bei den EU-Wahlen, meldete sich am Freitag auch ÖVP-Geschäftsführer Fritz Kaltenegger zu Wort. Er kritisierte, dass ausgerechnet der wirtschaftspolitische Berater von Kanzler Werner Faymann die Wirtschaftskrise zur Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Asien missbrauche.

Für Androsch, der 21,49 Prozent an AT&S hält, ist die Kritik "entweder parteipolitisch motiviert oder politisch hilflos". In Österreich gebe es 62.000 Kurzarbeiter, Großkonzerne sparten tausende Mitarbeiter ein, und die Arbeitlosigkeit steige weiter. "Die wirtschaftspolitischen Akteure müssen die seit Jahren schleichende Verschlechterung der Industrie erkennen. Wenn man aber die Infrastruktur verrotten lässt, zu wenig in Forschung investiert, das Geld für Frühpensionen ausgibt und industriestandortmäßigen Naturschutz betreibt, wird sich das nicht ändern", sagt Androsch im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Fokus auf Nahost

Kurzarbeit könne der kurzfristigen Überbrückung dienen. "Aber längerfristig ist es eine Chimäre. Wenn ich keine Aufträge habe, dann ist Kurzarbeit, wie wenn ich einen leeren Kühlschrank rationieren will."

Die AT&S-Kunden aus der Handy-Industrie seien schon lange in Nahost. Auch dort sei das Handy-Geschäft zurückgegangen. Nur könne man dort flexibel reagieren, weil die natürliche Fluktuation bei 30 Prozent liege, so Androsch: "Bei uns stehen die Sozialpläne bei allem Verständnis für soziale Abfederung in keiner Relation".

Der steirische Arbeiterkammerpräsident Walter Rotschädl hatte eine Bestandsgarantie für Leoben von Androsch verlangt. Der Industrielle weist die Kritik zurück: Rotschädl "sitzt in der Arbeiterkammer mit Zwangsmitgliedschaft und spricht aus einer geschützten Position. Doch eine Standortgarantie abzugeben wäre unseriös". Auch Garantien, dass es zu keinen weiteren Restrukturierungen bei AT&S kommen werde, könne er nicht abgeben: "Das wäre Gauklerei. Das Interesse der Eigentümer ist, dass es besser wird. 40 Millionen Euro für die Verlagerung abzuschreiben macht man nicht aus Lust."

Für 2009/10 hat AT&S eine Gewinnwarnung abgegeben. Zwar wird aufgrund des guten Geschäftsverlaufs im Vorjahr heuer noch eine Dividende ausbezahlt. "Aber im kommenden Jahr wird das wahrscheinlich nicht mehr gehen", so der ehemalige Finanzminister.

Der Chiphersteller Infineon Österreich hatte kürzlich bekanntgegeben, dass die Talsohle überstanden sei. Androsch ist anderer Meinung: "Vielleicht haben sie einen Großauftrag, der Effekte hat wie die Abwrackprämie. Aber die Talsohle wird frühestens Mitte 2010 erreicht sein - und danach wird es bescheiden weitergehen."