Zum Hauptinhalt springen

Kurzarbeit: Ausharren oder auf zu neuen Ufern?

Von Claudia Peintner

Wirtschaft

Wie soll man als Mitarbeiter mit Kurzarbeit umgehen? | Qualifizierungsbeihilfe für Betroffene. | Wien. Die beinahe schon täglichen Meldungen über weitere Firmen, die Kurzarbeit einführen, erschüttern. Was für die Unternehmen eine Kompromisslösung angesichts des Auftragseinbruchs ist, wird für die derzeit rund 22.500 Betroffenen zur Hochschaubahn der Gefühle. Ein Gefühl - wie gefesselt und verbannt zugleich, beschreiben es Arbeitspsychologen.


"Es herrscht eine große Unsicherheit, wie es beruflich weitergeht. Hinzu kommen die finanziellen Einbußen. Beides kann zu Angstzuständen und zu physischen Belastungen führen", analysiert die Arbeitspsychologin Gisela Mohr. Für die Kurzarbeiter tut sich eine Zwickmühle auf: Die ungewisse Zeit ausharren oder doch auf zu neuen Job-Ufern?

Um diese Entscheidung zu treffen, sollten Arbeitnehmer sich so gut wie möglich Klarheit verschaffen: Gibt es tatsächlich Anzeichen, dass der Betrieb ins Strudeln kommt und eine Kündigung folgt, oder ist es lediglich eine Durchtauchphase und mein Job bald wieder gefragt?

"Entscheidend ist weiters das Vertrauen, das der Mitarbeiter in den Betrieb hat", so Mohr. Stand der Arbeitgeber in der Vergangenheit stets zu seinem Wort, dann mache es eher Sinn, sich auf die Phase der Kurzarbeit einzulassen. Die dienstfreie Zeit - Kurzarbeiter arbeiten derzeit monatlich bis zu 25 Prozent weniger, künftig sind auch 80 Prozent möglich - können die Betroffenen zur Weiterbildung nützen.

Entsprechende Schritte werden demnächst auch gesetzlich forciert: Arbeitnehmer, die sich in der Kurzarbeit weiterbilden, sollen eine Qualifizierungsbeihilfe erhalten, heißt es vom Sozialministerium.

Recherche: Messen,Bücher, Kontakte

Für all jene die sich beruflich neu orientieren wollen, - egal ob Kurzarbeiter oder Arbeitnehmer, die der bisherige Job frustrierte -, bietet die Krise jetzt eine Chance, glaubt die Berufsberaterin Uta Glaubitz. Auch wenn es derzeit weniger Jobs gebe, so sei jetzt die ideale Zeit, um sich zu informieren (Welchen Beruf möchte ich künftig ausüben?) und um sich weiterzubilden.

Um den passenden Beruf zu finden, helfen laut Glaubitz Berufsfindungs-Strategien weiter: "Man muss sich überlegen: Was wollte ich früher werden? Was interessiert mich in meiner Freizeit? Oder: Wofür habe ich das letzte mal freiwillig Extra-Stunden geleistet?" Hinweise gibt auch ein Berufs-Brainstorming: "Der Arbeitnehmer schreibt 50 Berufe nieder, die ihn interessieren, und sortiert dann aus", so die Beraterin.

Wer sein Berufsziel festgelegt hat, dem rät Glaubitz als nächsten Schritt, berufsbezogene Bücher zu lesen, Messen zu besuchen und Kontakte zu knüpfen. Über den Zeitrahmen sagt die Berufsexpertin: "Ein Wochenende für die Entscheidung reicht. Es macht keinen Sinn, ständig hin und her zu überlegen."

"Branchen mit Zukunft gibt es nicht"

Auch wenn es derzeit naheliegt, sich nach einem Job in einer "zukunftsträchigen Branche" umzuschauen, rät Glaubitz davon ab. "Branchen mit Zukunft gibt es nicht", so die Beraterin. Der Trend würde sich wieder ändern. Viel entscheidender sei es, von der Tätigkeit begeistert zu sein. Nur so könne man auf einem wettbewerbsstarken Arbeitsmarkt überzeugen.

Auch den Vorwand, dass der finanzielle oder familiäre Rahmen einen Neustart nicht ermöglichen, lässt sie nicht gelten: "Die Pläne scheitern selten am Umfeld, sondern an der eigenen Motivation."