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Kurzarbeit bei GM in Aspern

Von Helmut Dité

Wirtschaft

Fast gesamte Belegschaft betroffen. | Sozialpartner beraten Änderung bei Kurzarbeits-Regel. | Wien. Mit dem Abbau von Zeitarbeitern und Urlaubskonten sowie einigen Tagen Werksferien glaubte man noch im November über die Runden zu kommen - jetzt müssen wegen der verschärften Autokrise im General Motors Motoren- und Getriebewerk in Wien-Aspern doch 1540 von insgesamt 1850 Mitarbeitern kurzarbeiten. Beantragt wurde die Maßnahme beim Arbeitsmarktservice Wien (AMS) von 19. Jänner bis 8. Mai 2009, so GM-Power-train-Sprecherin Elisabeth Schuller am Mittwoch.


Die Genehmigung stehe derzeit aber noch aus - eine länger als drei Monate dauernde Kurzarbeit muss extra genehmigt werden. Von dem für heute Nachmittag ins Bundeskanzleramt einberufenen Autogipfel wird eine Neudefinition der Kurzarbeitsregeln als eine der Hilfsmaßnahmen für die krisengeschüttelte heimische Auto-Zulieferbranche erwartet.

Die Krise des US-Autoriesen GM und seiner deutschen Tochter Opel hat nun auch das Werk in Wien-Aspern voll getroffen. Jeder zweite Opel fährt mit einem Getriebe aus Österreich, jeder dritte Wagen mit einem hier hergestellten Motor. 90 Prozent der Wiener Produktion gehen an den deutschen Autobauer, der auf dem 2008 insgesamt um fast zwei Prozent geschrumpften deutschen Markt fast zehn Prozent weniger Autos verkaufte.

Bei Opel ist laut Betriebsrat ab Februar bis zum Jahresende an 70 bis 100 Tagen Kurzarbeit am Standort Bochum geplant, betroffen sei rund die Hälfte der 6000 Mitarbeiter. Opel hatte bereits im vergangenen November erklärt, man werde 2009 weniger Fahrzeuge produzieren und erwäge die Einführung einer 30-Stunden-Woche in fast allen europäischen Werken.

Mehr Kurzarbeiter

Ausnahme sei das Stammwerk in Rüsselsheim, wo für die Produktion des gefragten neuen Mittelklassemodells Insignia - der Wagen wurde zu "Europas Auto des Jahres 2009" gewählt - sogar Sonderschichten gefahren werden.

Die Zahl der Kurzarbeitsverträge in Österreich ist um die Jahreswende dramatisch angestiegen - am stärksten betroffen ist die Autozulieferindustrie. Im Laufe des Monats Jänner werden rund 15.200 Beschäftigte kurzarbeiten, darunter rund 300 beim Autozuliefrer Magna in der Steiermark. Anfang Dezember waren es "erst" 8900 Arbeitnehmer. Vor diesem Hintergrund verhandeln die Sozialpartner eine Ausweitung der Kurzarbeitsregeln. Ausgeweitet werden soll die Dauer der Kurzarbeit aber auch die Zahl der Ausfallstunden. Erste Details werden voraussichtlich beim heutigen Autogipfel bekanntgegeben.

Derzeit kann von den betroffenen Unternehmen Kurzarbeit als Überbrückungshilfe für drei Monate angemeldet und um weitere drei Monate verlängert werden. Sind mehr als 25 Prozent der Beschäftigten über 45 Jahre alt, kann die Kurzarbeit derzeit auf ein Jahr verlängert werden. Angestrebt werde nun eine Ausweitung der Kurzarbeitszeit auf 18 Monate, wie es derzeit bereits in Deutschland möglich ist, hieß es. Angehoben werden soll aber auch die Höhe der Ausfallstunden. Derzeit kann die Arbeitszeit pro Monat auf maximal 80 Prozent der Wochenarbeitszeit reduziert werden.

ÖAMTC: NoVA senken

Eine Reihe von Forderungen wurden im Vorfeld des Autogipfels laut: Während der Arbö und der Autohandel auf die Einführung einer Verschrottungsprämie für Altautos drängen, regte der ÖAMTC eine "umweltbezogene" stufenweise Abschaffung der Zulassungssteuer NoVA an: Fahrzeuge unter 120g CO2/km sollten ganz von der NoVA befreit und zusätzlich mit 1000 Euro Umweltbonus belohnt werden. Für Kfz zwischen 120 bis 180 g CO2-Ausstoß pro km sollte die NoVA halbiert werden, für Fahrzeuge über 180g CO2/km sollte sich nichts ändern.