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Kurzatmige Neujahrsvorsätze

Von Petra Paterno

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Rund drei Millionen Österreicher haben zu Silvester an die acht Millionen gute Vorsätze gefasst (eigene Hochrechnung auf Basis einer aktuellen Imas-Umfrage).

Die allermeisten drehen sich ums Rauchen (nie wieder), Essen (adieu Kohlenhydrate, baba Zucker) und Trinken (viel, viel weniger). Insgesamt pendeln die Silvesterwünsche zwischen physischer Selbstdisziplinierung - die Hälfte der Menschen, die sich etwas vornimmt, will mehr Sport treiben - und moralischer Verbesserung. Kinder haben etwa gelobt, ihr Zimmer mindestens einmal in der Woche aufzuräumen, Eltern haben ihrerseits versprochen, sich dem Nachwuchs gegenüber gelassener zu verhalten. Ganz oben auf der Liste zur Selbstkorrektur finden sich auch fromme Wünsche wie weniger Stress, dafür mehr Lebensfreude.

Doch auch die besten Neujahrsvorsätze sind von äußerst kurzatmiger Euphorie. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusehen, dass noch im Verlauf dieser Woche den ersten die Luft ausgehen wird und die meisten Ideen zur Selbstverbesserung spätestens im Februar verpufft sind.

Der Mensch ist bekanntlich aus "krummem Holz" geschnitzt, wie der deutsche Alleswisser Immanuel Kant einst festhielt.

Krummes Holz lässt sich eben nicht in einer Silvesternacht gerade biegen. Überdies wäre die Herrschaft der Tugend, der Sieg der Selbstdisziplinierung doch der wahre Albtraum: Ein Leben ohne Nikotin, Alkohol und Schokolade? Kinder, die immer freiwillig ihr Zimmer aufräumen? Eltern, die nie die Nerven verlieren? Holen wir einen Therapeuten, aber rasch!