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Kusshände für mehr Tourismus

Von Martyna Czarnowska

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Rumänien will sich als Urlaubsland verstärkt positionieren. Sein Potenzial schöpft das Land allerdings bei weitem nicht aus.


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Die Tourismusministerin wirft Kusshände zu. Maria Grapini, in der rumänischen Regierung zuständig für kleine und mittlere Unternehmen sowie für Fremdenverkehr, steht an Deck eines Ausflugsbootes, das die Donau runterfährt. Für kurze Zeit schwimmt das Schiff auf gleicher Höhe mit einem anderen, auf dem sich eine Gruppe Journalisten befindet. Das ist der Moment für die Ministerin, den fotografierenden und filmenden Medienleuten zu winken und zuzulächeln.

Grapini ist auf Werbetour. Und sie nimmt sich Zeit dafür. Eine Konferenz in Bukarest, am darauf folgenden Tag eine Fahrt durch das Donaudelta, wo der Fluss eine überbordende Aulandschaft nährt, bevor er im Schwarzen Meer mündet. Dazwischen Ansprachen und Interviews.

Es ist jedoch keine Wahlkampagne, die der Ministerin dieses Programm auferlegt. Grapini macht nicht Werbung für sich, sondern für ihr Land. Ihr Ressort lässt sich dies einiges kosten. Die von der Tourismusbehörde organisierte internationale Konferenz geht über in einen mehrtägigen Informationsausflug - ans Meer, zu den Schlössern am Fuße der Karpaten und zu den von Deutschen über Jahrhunderte geprägten Städten des einstigen Siebenbürgen. Eingeladen sind nicht nur dutzende ausländische Journalisten, sondern auch Lokalpolitiker oder Diplomaten, die unterschiedliche Länder in Rumänien vertreten. So kann der Stadtrat während einer Pause bei der Busfahrt nicht nur Sonnenblumen pflücken und sie an die weiblichen Fahrgäste verteilen, sondern auch gleich in fließendem Deutsch und ebenso fehlerfreiem Englisch von den Angeboten im Gesundheitstourismus erzählen, die seine Stadt bereithält. Kontakte knüpfen, Interesse wecken, die Reize Rumäniens mit seiner Vielfalt an Landschaften und touristischen Möglichkeiten betonen: Das war der Zweck der Veranstaltung.

Rumänien leidet nämlich noch immer unter einem Imageproblem. Und es kann seine Schönheiten bei weitem nicht so gut vermarkten wie so manches andere Land, was selbst rumänische Marketingexperten einräumen - und oft Österreich als Gegenbeispiel sowie Vorbild nennen. Eine britische Werbefilmerin fasst es in einem Satz zusammen: "Bei uns wird Rumänien schlicht nicht als Urlaubsort angesehen."

So bleibt das Land mit seinen Hügel- und Berggegenden, mit seinen Meeresstränden, den an den Außenwänden bemalten Klöstern, den Wehrkirchen, den deutschen, türkischen, russischen und serbischen Einflüssen in der Architektur und im Essen, unter seinen Möglichkeiten. Zwar werden Hotels gebaut und Wanderwege geschaffen, doch steigt die Zahl der Besucher nur langsam. Immerhin waren es nach rumänischen Angaben im Vorjahr neun Prozent mehr als 2011: Etwas mehr als eineinhalb Millionen Urlauber kamen ins Land. Werden Tagestouristen und Menschen auf der Durchreise mit eingerechnet, ergibt dies eine Zahl von rund drei Millionen. Es könnten mehr sein, wenn Rumänien sein Potenzial ausschöpfen würde. Die Einnahmen aus dem Tourismus kann eines der ärmsten Länder der Europäischen Union gut gebrauchen.