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Labormäuse im Himalaya

Von Richard E. Schneider

Wissen

US-Forscher wollen Gendoping nachweisbar machen. | Tübingen. Die Fußball-Europameisterschaft 2008 ist im Gange, doch auch die Olympischen Spiele in Peking stehen vor der Tür. Anlass für amerikanische Doping-Experten, sich mit dem Gendoping zu befassen. Um ein neues Nachweisverfahren zu entwickeln, stiegen sie mit acht Labormäusen auf den Mount Everest.


Gendoping kann Gene und Proteine beeinflussen, die für die Versorgung der Muskeln mit Sauerstoff maßgeblich sind. Um Hypoxie-Zustände (Sauerstoffmangel) im lebenden Organismus in großen Höhen zu untersuchen, machte sich Mitte April das Team um Prof. Tejvir S. Khurana von der University of Pennsylvania und dessen deutschen Mitarbeiter Gabriel Willmann auf den Weg. Es sollten in extrem sauerstoffarmer Luft den Mäusen Blut und Gewebeproben entnommen werden. Ziel ist es, die "molekulare Signatur" für Hypoxie zu finden, das heißt den Zustand von Genen, Proteinen und RNA bei ungenügender Sauerstoffzufuhr. Entsprechende Tests sollen einen Vergleich zwischen natürlichen und durch Gendoping künstlich beeinflussten molekularen Signaturen ermöglichen.

Rote Blutkörperchenaktivieren Muskelzellen

Als Ansatzpunkt für Gendoping vorstellbar ist der Hypoxie induzierte Faktor (HIF), der bei Sauerstoffmangel vermehrt die Bildung von körpereigenem Erythropoetin (EPO) und somit von roten Blutkörperchen anregt, die Sauerstoff in die Muskelzellen transportieren. Nach Ende des Sauerstoffmangels reduziert sich auch die Aktivität von HIF. Blockiert man nun ein bestimmtes Enzym, das den Abbau von HIF bewirkt, produziert der Körper weiter verstärkt EPO und rote Blutkörperchen, was die Muskelleistung verbessert.

Bildet der Körper aufgrund einer Beeinflussung der Gene, also ohne Sauerstoffmangel, verstärkt EPO und rote Blutkörperchen, versagen die Doping-Kontrollen bisher.

Seit 2003 steht Gendoping auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur, die das Projekt unterstützt. Die Mäuse schafften es aber nicht bis zur Spitze. Drei verstarben, den restlichen ging es kurz vor dem Ziel sehr schlecht. Die Forscher mussten umkehren.

Ob für die Gendoping-Forschung eine Mount Everest-Expedition nötig ist, wird bezweifelt. Der Deutsche Patrick Diel von der Sporthochschule Köln, der in seinem Labor an einem Nachweisverfahren für Myostatin-Inhibitoren (Anm. Das Eiweiß Myostatin wirkt im Körper als Muskelbremse) arbeitet, sieht darin eher "eine publikumswirksame Aktion". Doch auch er hat den Doping-Sündern den Kampf angesagt. Diel ist überzeugt, dass bereits heute Sportler Gendoping betreiben. Andere Kritiker meinen, Sauerstoffmangel lasse sich auch durch Simulation in einer Unterdruckkammer generieren. Andererseits sei die natürliche, hypoxische Umgebung auf dem Mount Everest von unschätzbarem Vorteil.