Zum Hauptinhalt springen

Lach mal wieder!

Von Marcel Etschmayer

Reflexionen

Wer nichts zu lachen hat in seinem Leben, sollte es einmal mit Lachyoga versuchen. Auch grundloses Lachen hebt die Laune schlagartig.


Charlie Chaplin hat einmal gesagt: "Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag." Doch leider vergeht den Menschen im Lauf ihres Lebens das Lachen: Kinder lachen 300 bis 400-mal am Tag, Erwachsene nur noch 15-mal. In den fünfziger Jahren lachten die Menschen noch 18 Minuten pro Tag - heute nicht länger als sechs Minuten täglich, sagen die Statistiker.

Übrigens: Ein Lachen dauert statistisch gesehen zwei Sekunden und sieben "Hahahas". Der Atem zischt dabei mit bis zu 100 km/h aus dem Mund, das Zwerchfell hüpft und Pupillen sowie Nasenlöcher erweitern sich. Bis zu 80 Muskeln des ganzen Körpers - darunter allein 17 Gesichtsmuskeln - sind an einem einzigen Lachen beteiligt.

Lachen ohne Grund. Gegen schlechte Laune gibt es ein simples Rezept: Tun Sie einfach so, als würden Sie lachen, und Sie werden sehen, dass sich ihre Laune schlagartig bessert. Auf einem ähnlichen Prinzip - nämlich "Stimulation durch Simulation" - beruht das sogenannte "Lachyoga": Diese Form des Yoga - auch Hasya-Yoga (Hasya: Sanskrit = Lachen) oder Yogalachen genannt - verbindet die positiven Wirkungen des Lachens mit denen des Yogas. Das grundlose Lachen steht dabei im Vordergrund. Durch spielerische Übungen werden - in Kombination mit Atemübungen - verschiedene Energiezentren des Körpers (Chakren) angeregt. Lachyoga ermöglicht es somit, über einen längeren Zeitraum zu lachen.

Das Konzept. Die Kombination von Lachen und Yoga wurde 1995 vom indischen Arzt Madan Kataria entwickelt. Die verschiedenen Lachübungen basieren hauptsächlich auf der Tiefenatmung des Yoga. Diese Methode ist eine schnelle und intensive Meditation, genauer eine "laute" Sofortmeditation, welche ein Ausschalten des Intellektes bewirken soll. Madan Kataria sagt nämlich: "Wer lacht, denkt nicht - wer denkt, lacht nicht." Hierbei ist die Wirkung des Lachens unabhängig vom Grund des Lachens, denn das Gehirn besitzt interessanterweise nicht die Fähigkeit, zu unterscheiden, ob das Lachen spontan oder willentlich geschieht. Humor zu haben, sei daher nicht notwendig. Erst Blickkontakt und Gruppendynamik lösen das echte Lachen aus.

Ho-ho-ha-ha-ha. Zuerst stehen die Teilnehmer beim Yogalachen im Kreis und klatschen im Takt, um die Reflexzonen der Hände zu aktivieren. Das Mantra "hoho hahaha" dient dazu, die Muskulatur zu lockern und gleichzeitig das innere Kind in den Teilnehmern zu wecken.

Beim Hasya-Yoga als nonverbaler Methode soll außerdem nur gelacht und nicht gesprochen werden. Beim anschließenden spielerischen Teil werden verschiedene Lachübungen durchgeführt. Jede von ihnen hat einen treffenden Namen wie beispielsweise

"Löwen-Lachen", "Milchshake-Lachen" oder "Hühnerlachen". Beim "Chili-Lachen" stellen Sie sich vor, dass Sie gerade in eine scharfe Pfefferoni gebissen hätten: Zeigen Sie pantomimisch, wie die Chili wirkt. Das "Handylachen", bei dem mit einem imaginären Gesprächspartner am Telefon herzlich gelacht wird, können Sie sogar in der Öffentlichkeit ausüben. Keiner weiß ja, mit wem Sie gerade so beneidenswert lachen.

Nicht lächerlich. Das fröhliche Gelächter setzt im Körper einen Cocktail an entspannenden Endorphinen frei, andererseits werden die Stresshormone Kortisol und Adrenalin gedrosselt. Sämtliche Organe werden besser durchblutet und mit Sauerstoff versorgt. Gelotologen ("Lachforscher") aus aller Welt bestätigten in den letzten Jahren, dass Lachen zur Stärkung unseres Immunsystems beiträgt, indem es die Abwehrzellen deutlich vermehrt. Diesen und gleichzeitig den schmerzstillenden Effekt nutzen auch die Klinik-Clowns bei ihrer Arbeit mit krebskranken Kindern. William Fry, ein Pionier der Gelotologie von der Stanford University, erforschte 1964 erstmals die gesundheitsfördernde Wirkung des Lachens: "Die entspannende Wirkung von einer Minute Lachen entspricht zehn Minuten Joggen beziehungsweise sogar 45 Minuten Meditation."

Lachyoga stellt natürlich keinen Ersatz für eine medizinische oder psychologische Therapie dar. Außerdem sollten Personen, welche an Herz- oder Atemwegserkrankungen, Bandscheibenvorfall oder ähnlichem leiden, sowie Schwangere mit Abortusrisiko vor der Teilnahme an Lachyogakursen einen Arzt konsultieren, da bei den Übungen besonders intensiv geatmet wird.

Gelophilie. In Österreich gilt Ellen Müller als Vorreiterin der Lach-yoga-Bewegung. Sie leitet in Wien regelmäßig Seminare zum Thema. Eine andere Möglichkeit, Lach-yoga kennen zu lernen, bieten die Wiener Volkshochschulen. Ellen Müller bezeichnet sich selbst als "gelophil", das heißt sie liebt es, zu lachen: "Lachen ist trainierbar. Jeder Mensch kann lachen. Es geht nur um die Aktivierung dieses Potenzials." Oder wie schon ein altes deutsches Sprichwort sagt: "Wer morgens dreimal schmunzelt, wenn`s regnet, nicht die Stirne runzelt, und abends lacht, so dass es schallt, wird 120 Jahre alt."

Literatur "zum Lachen".

Dr. Madan Kataria: "Lachen ohne Grund", Verlag Via Nova, 2002

Walter Birklbauer: "Warum Lachyoga - eine neurologische Perspektive", 2008

Ellen Müller: "Zum Glück gibt es Lachen", Signum Verlag, 2008

Lachyoga im Internet.

www.lachyoga.at

Ellen Müller

T: 0699/15235001

www.laughteryoga.org