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Lächerliches Gemecker um Obamas Friedenspreis

Von Clemens M. Hutter

Gastkommentare

Meckerer finden immer Bemeckernswertes. So ließe sich der Satz des Psychiaters Friedrich Hacker - "Hasser finden immer Hassenswertes" - auf die internationale Haxlbeißerei am Nobelkomitee für die Auszeichnung US-Präsident Barack Obamas mit dem Friedenspreis abwandeln.


Die unbedarfteste Meckerei: Friedenspreis für jemanden, der den Krieg in Afghanistan durch Nachschub an Truppen zu verschärfen gedenkt. Das unterschlägt unter anderem eine glänzende Bilanz: Unter dem Schutz der internationalen Truppe hat sich die Zahl der Schulkinder - vor allem der "Kopftuchmädchen" - mehr als verdoppelt. Wozu trommeln denn die Anwälte des umfassenden Fortschritts dauernd, dass der Weg aus dem Elend zu einem menschenwürdigen Leben dreier Dinge bedürfe: Bildung, Bildung und nochmals Bildung.

Umgekehrt betrachtet: Strategisch zielen die Taliban speziell auf die Zerstörung der Schulen, um diesen Fortschritt mit ihren archaisch islamistischen Koranschulen zu blockieren und die "Kopftuchmädchen" weiter in Quasi-Sklaverei fundamentalistischer Machos zu halten. Meckerer fordern trotzdem den totalen Rückzug aus Afghanistan.

Meckernde Gutmenschen empörten sich sowohl über Irans Atompolitik als auch über George W. Bushs "Achse des Bösen". Obama zerbrach diese Achse, bot dem Iran Gespräche an, und siehe da: Plötzlich darf die Internationale Atomkommission alle iranischen Atomanlagen überprüfen. Kein Dienst am Frieden also?

Nächste Meckerei: Obama bringe im 87 Jahre alten Krisenherd Nahost nichts zuwege. Na und? 1950 wurde Ralph Bunch für seine Bemühungen geehrt, 1994 der Palästinenser Jassir Arafat und die Israeli Shimon Peres und Yitzhak Rabin. Bis heute blieb davon nur die honorige Absicht. Darauf ist auch Obama beschränkt, solange Israel und die Palästinenser nicht spuren. Oder soll er Israel alle Hilfe sperren, bis es kirre wird, da es ohne massive US-Hilfe nicht überleben kann?

Bush verstieß mit dem KZ Guantanamo unter anderem krass gegen das Kriegs- und Völkerrecht und beschädigte damit das moralische Ansehen der USA ungleich ärger als jeder seiner 42 Amtsvorgänger. Obama kündigte bei seinem Amtsantritt die Schließung Guantanamos an. Dabei verstrickt er sich leider in hausgemachtem juristischem Dickicht. Die über Guantanamo so empörte zivilisierte Welt könnte ihm da heraus helfen, indem sie Dutzende von nachweislich unschuldigen Guantanameros aufnähme. Aber diese gutmenschliche Welt mogelt sich mit spitzfindigen Ausreden um diese Hilfe.

Obama bekommt den Preis für die außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Kooperation zu verbessern. Das gibt zumindest dem so inbrünstig beschworenen Prinzip Hoffnung einen starken Schub - und zwar glaubwürdig. Was ist daran bemeckernswert? Immerhin stehen von bisher 117 vergebenen Friedenspreisen mindestens 50 in dieser Kategorie und nicht in jener erzielter Erfolge.

Clemens M. Hutter war bis 1995 Ressortchef Ausland bei den "Salzburger Nachrichten".