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Lahme Ermittlungen gegen Kattowitzer Gestapo-Chef

Von Susanna Gilbert-Sättele Stuttgart

Politik

· Die Ermittlungen gegen den ehemaligen Chef der Nazi-Geheimpolizei Gestapo in Kattowitz (Katowice), Johannes Thümmler, dauern noch, sagt die Staatsanwältin Sabine Mayländer aus | Stuttgart. Noch in drei Fällen untersucht die Behörde, ob ihm der Prozess gemacht werden sollte. Ursprünglich waren ihm mehr als 1.000 Morde im deutschen Konzentrationslager Auschwitz vorgeworfen | worden.


Bisher lebt der 92-Jährige unbehelligt am Bodensee. Simon Wiesenthal übte jüngst in den Medien herbe Kritik an der deutschen Justiz, nachdem die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen gegen

den ehemaligen SS-Offizier aus Mangel an Beweisen weitgehend eingestellt hatte. "Ich habe den Eindruck, die deutsche Justiz ist solcher Nazi-Prozesse müde", sagte Wiesenthal. "Die warten, bis

Thümmler stirbt."

Jahrelang hatte die Staatsanwaltschaft wegen Mordes ermittelt. Denn nach den Untersuchungen der Ludwigsburger Fahnder war Thümmler an mehr als 1.000 Morden in Auschwitz beteiligt gewesen. Von

September 1943 bis Jänner 1945 war er Chef der Gestapo-Leitstelle Katowice und eines Polizeistandgerichts, das regelmäßig im "Block 11" des nahe gelegenen Konzentrationslagers Auschwitz

tagte.

Einmal, als Zeuge vor Gericht, hat Thümmler selbst eingestanden, in einigen hundert Fällen Standgerichts-Vorsitzender gewesen zu sein. In diesen Verhandlungen wurden nach seinen Aussagen etwa 60

Prozent Todesurteile gefällt.

Von den früheren Ermittlungen blieben drei Fälle übrig, bei denen es um den Tod von zwei 14 und 16 Jahre alten Mädchen sowie einer schwangeren Frau geht. 1970 hatte das Landgericht Ellwangen ein

Verfahren gegen Thümmler nicht eröffnet, weil den Richtern die Beweise nicht ausreichten. Eine neue Anklage ist seither nur möglich, wenn neues Beweismaterial auftaucht.