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Lahore wird zur Kriegsfront

Von WZ-Korrespondentin Agnes Tandler

Politik

Schwerer Terroranschlag zeigt, dass Krieg gegen Taliban und Al Kaida landesweit geführt wird. | Neu Delhi. Es ist der wohl schwerste Terroranschlag in Pakistan seit dem Angriff auf das Marriott-Hotel in Islamabad im September 2008: Am Mittwochmorgen rammten Attentäter ein Fahrzeug vollbeladen mit Sprengstoff in das Gebäude des Polizeinotrufs mitten in der Innenstadt von Lahore.


Bei der heftigen Explosion kamen mindestens 23 Menschen ums Leben, an die 300 sollen verletzt sein. Drei Gebäude wurden komplett zerstört, darunter auch ein Hauptquartier des pakistanischen Geheimdienstes.

Rettungskräfte bargen Tote und Verletzte aus den Trümmern der eingestürzten Häuser. Die ostpakistanische Metropole Lahore galt lange als relativ sicher. Doch nun häufen sich auch hier die Anschläge.

Augenzeugen berichteten im pakistanischen Fernsehen, dass die Attentäter kurz vor der Explosion aus ihrem Auto gesprungen sein und um sich geschossen hätten. Einige Angreifer sollen sich danach auch in Gebäuden verschanzt haben. Der Stadtteil Civil Lines in Lahore ist dicht besiedelt. Es liegt unweit der Hauptstraße Mall Road. Viele Firmen und Behörden haben hier ihre Büros.

Anschlag wurde nach Swat-Offensive erwartet

Seitdem das pakistanische Militär am 6. Mai seine Offensive gegen die Taliban im Swat-Tal begonnen hat, haben viele in Pakistan einen Vergeltungsschlag der Terroristen erwartet. Pakistans Innenminister Rehman Malik sagte: "Die Feinde Pakistans wollen das Land destabilisieren. Sie kommen hierher, nachdem sie im Swat-Tal geschlagen wurden." Die Taliban hatten jedoch in der Vergangenheit nicht über die Möglichkeiten verfügt, solche spektakulären Anschläge zu verüben.

Beobachter in Pakistan sehen das Attentat auch im Zusammenhang mit der Anhörung des Lashar-e-Toiba-Chefs, Hafiz Sayed, vor einem Gericht in Lahore. Der Gerichtstermin war für den Mittwoch angesetzt. Sayed wird verdächtigt, Drahtzieher des schweren Terroranschlags in der indischen Finanzmetropole Mumbai (Bombay) im November 2008 zu sein. Die pakistanischen Behörden haben ihn seitdem unter Hausarrest gestellt.

Das Gericht in Lahore wollte über die Rechtmäßigkeit des Gebots befinden. Der Terrorgruppe Lashkar-e-Toiba werden gute Verbindungen zu Al Qaida nachgesagt. Es ist nicht auszuschließen, dass sich verschiedenste Terrorgruppen in Pakistan unter dem Druck der Militäroperation enger zusammenschließen und nun gemeinsam Attentate in den Großstädten Pakistans verüben.

Lahore ist die Hauptstadt von Pakistans reichster und politisch wichtigster Provinz Punjab. Lange Zeit galt die Neun-Millionen-Metropole sicher vor Terrorattentaten. Anfang März wurde hier aber das Cricket-Nationalteam von Sri Lanka auf dem Weg zum Sportstadion angegriffen. Drei Wochen später überfielen Kämpfer der pakistanischen Taliban eine Polizeischule außerhalb Lahores.