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Land OÖ schafft Chefarztpflicht ab

Von Ina Weber

Politik

Vertrauensvorschuss für Ärzte. | Bürokratische Prozesse fallen weg. | Hauptverband ist skeptisch: Kosten könnten explodieren. | Linz/Wien.Am 1. Jänner 2005 ist die Chefarztpflicht neu in Kraft getreten. Der Patient musste sich seitdem nicht mehr um die Chefarztbewilligung kümmern, sondern diese wurde vom Arzt eingeholt. Das Land Oberösterreich geht nun einen Schritt weiter: Ab 1. Dezember wird die Chefarztpflicht für Medikamente überhaupt abgeschafft. Das kündigten Ärztekammer und die Gebietskrankenkasse (OÖGKK) in einer Pressekonferenz am Donnerstag in Linz an. Die Vereinbarung - auf Basis einer ministeriellen Verordnung - gilt vorerst für zwei Jahre.


Damit sollen bürokratische Prozesse für Patienten und Mediziner entfallen. Konkret bedeutet das, dass der behandelnde Arzt nun die volle Verantwortung für die Ausstellung von chefarztpflichtigen Medikamente trägt. Der Arzt muss nun nicht mehr vor der Ausstellung eines chefarztpflichtigen Medikamentes eine Genehmigung per Fax einholen, sondern die Kontrolle erfolgt erst im Nachhinein. Der OÖGKK-Obmann Hans Popper betonte, dass "Geisterfahrer", jene Mediziner, die möglicherweise Medikamente leichtfertig verschreiben, dingfest gemacht würden. Dauerhafte Verstöße sollen zu Vertragskündigungen führen.

Für den Hauptverband der Sozialversicherungsträger ist diese Regelung im Grunde zu begrüßen, dennoch ist Pressesprecher Dieter Holzweber skeptisch. "Wenn sich alle Ärzte an Regelungen halten würden, wäre eine Kontrolle im Nachhinein vertretbar", so Holzweber. Man werde sehen, ob das Agreement zwischen Ärztekammer und OÖGKK hält. Chefarztpflichtige Medikamente seien fünfmal so teuer als andere Medikamente. "Die Kosten könnten ohne Chefarztpflicht explodieren."

Der Branchenverband Pharmig hingegen begrüßt die Abschaffung der Chefarztpflicht für Medikamente in Oberösterreich. "Das ist ein richtiger Schritt hin zu mehr Patientenorientierung", betonte Generalsekretär Jan Oliver Huber. "Wir unterstützen dieses Modell, solange sichergestellt ist, dass die Ärzte ihren Patienten alle medizinisch notwendigen Medikamente verschreiben", erklärt Huber.