Zum Hauptinhalt springen

Land und Leute - abgehört

Von Reinhold Aumaier

Kommentare

Bulgarien holpert und stolpert seit mittlerweile gut zehn Jahren der Demokratie samt funktionierender Marktwirtschaft entgegen. Zu deren Aufbau fehlt die Mittelklasse. Man muss drei Jahre auf ein TV-Gerät warten; und dann kostet es drei Monatslöhne. Man hört vor allem Radio und sieht fern. Warum? Weil man sich eine der inzwischen unabhängigen Tageszeitungen kaum leisten kann. Dabei ist Bulgarien ein traditionsreiches Leseland - und somit auch eines der Literatur. In den "Radiogeschichten" auf Ö1 las am Dienstag Peter Uray in seiner unnachahmlichen Art die berührende Erzählung "Die Kraft des Lebens" von Ilija Wolen. Im "Radiokolleg" breitete Doris Stoisser einen Informationsteppich über das Fast-Nachbarland "Bulgarien - Brücke zwischen Europa und Orient" aus. In den "Spielräumen" entbot Albert Hosp alte und neuere Volksmusik. Und und und. Heißt: Eine Woche lang wird Bulgarien in Ö1 aus allen möglichen Winkeln akustisch beleuchtet und bestrahlt. Ein Service der Sonderklasse, den sich eine Kulturnation leisten können soll. Ob eine Instrumentalistin, die in ihrem Fach bestens ausgebildet ist, sich an einem Stück Musik versuchen soll, dessen Sprache sie nicht versteht und das der komponierende Großmeister des nämlichen Instrumentes vor bald 60 Jahren unnachahmlich eingespielt hat, ist eine andere Frage. Es war äußerst reizvoll, die am Dienstag im "Konzert am Vormittag" ausgestrahlte Version von Artie Shaws "Concerto for Clarinet" mit Sharon Kam mit jener des Meisters zu vergleichen. Da die 1a-Klarinettistin, wie sie brav die Noten(werte), also Papiermusik abliefert; dort die mit fast 92 noch lebende Legende, die neben den Noten alles spielt, was eigentlich zu sagen ist. Ein privat-vergnüglicher Vergleich mittels Radio & CD.