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Länder widersetzen sich Strache

Von Katharina Schmidt

Politik

Rosenkranz will bleiben, Neo-FPK-Chef Ragger will unabhängig bleiben.


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Wien. Heinz-Christian Strache ist sauer. Auf das Wahlergebnis, die Medien und nicht zuletzt auf die freiheitlichen Wahlkämpfer in den Ländern, in denen seine Partei am Sonntag herbe Wahlschlappen einfahren musste. Einzig die Wähler sind dem Rundumschlag des Parteichefs am Dienstag notgedrungen ausgekommen. Denn "der Wähler hat immer recht".

Er wolle aus den Niederlagen - in Kärnten ist die FPK auf 16,9 Prozent abgestürzt, in Niederösterreich büßte sie zwar nur 2,3 Prozentpunkte ein, verlor aber den Landesrat, zwei Mandate im Landtag und den Status der drittgrößten Partei im Land an das Team Stronach - lernen und "Leadership" als Parteichef beweisen. Und das tat er gleich einmal, indem er gegen die niederösterreichischen Parteifreunde wetterte. Strache sprach von einer "bitteren Niederlage", die man "nicht leugnen könne" und kritisierte Spitzenkandidatin Barbara Rosenkranz heftig, ohne allerdings ihren Namen zu nennen. "Der Schaden war hausgemacht", die Partei sei "offensichtlich nicht optimal aufgestellt". Der Wahlkampf sei "zu wenig angriffig" verlaufen, zu wenig oppositionell. Die "passive Verhaltensweise" der Wahlkämpfer (gemeint war wohl Rosenkranz selbst, da Strache gleich im nächsten Satz das "Personal" lobte) habe dazu geführt, dass die FPÖ im Duell zwischen Erwin Pröll und Frank Stronach unterging. Und dann meinte der FPÖ-Chef beinahe süffisant, das komme eben davon, wenn man versuche, Wahlkämpfe "ohne den Chef umzusetzen". Man müsse nun in Niederösterreich "die richtigen Schlüsse ziehen, und das gilt für alle". Trotz aller Deutlichkeit: Angesprochen auf den Verbleib Rosenkranz‘ wollte sich Strache nicht festlegen. Dies werde in den Parteigremien besprochen. Das Verhältnis der beiden zueinander gilt als denkbar schlecht.

"Freiheitliche Familie wieder zusammenführen"

Was Kärnten betrifft, so meinte Strache, der Rücktritt Kurt Scheuchs von der Parteispitze sei ein "erster Schritt in die richtige Richtung gewesen, weitere werden folgen". Er sprach sich aber abermals gegen Sippenhaftung aus - Scheuchs Chancen auf einen Wiedereinzug in den Landtag seien intakt. Scheuch war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Strache betonte aber neuerlich, dass die Kooperation mit der FPK grundsätzlich eine richtige sei, die wolle er nun weiter intensivieren und die "freiheitliche Familie wieder zusammenführen".

Das Problem bei Straches Plänen: Die anderen wollen ihnen nicht Folge leisten. Rosenkranz verteidigte ihren Wahlkampfstil - dieser sei "zugespitzt und pointiert" gewesen, sie habe nicht vor, ihren Sessel zu räumen. Klubchef Christian Waldhäusl gab hingegen Strache recht: Die FPÖ hätte "Pröll stärker herausfordern" müssen, meinte er.

In Klagenfurt sprach sich Neo-FPK-Chef Christian Ragger dagegen aus, dass die Kärntner Freiheitlichen, die seit der Gründung 1955 als eigenständiger Verein existieren, in der FPÖ aufgehen. Er kann sich nur eine weitere Annäherung an die Mutterpartei vorstellen, darüber werde man beim FPÖ-Bundesparteivorstand am 13. März in Wien diskutieren.

"So geht man nichtmit den eigenen Leuten um"

Für die Politikwissenschafterin Kathrin Stainer-Hämmerle zeugt Straches offene Kritik "nicht gerade von Führungsqualität - so geht man nicht mit den eigenen Leuten um", sagt sie. Dies schade Straches Autorität gegenüber den Landesgruppen und beschädige ihn nach außen. Denn FPÖ-Sympathisanten seien generell eher Anhänger eines straff organisierten Apparats, der einem "Leader" folge. Einen solchen habe Strache von Jörg Haider übernommen, aber offenbar selbst nicht weiter führen können, so die Expertin.

Immer wieder schalt Strache die Medien, die die Verluste in den beiden Bundesländern als Zeichen für ein schlechtes Abschneiden der FPÖ bei der Nationalratswahl werteten. Er hofft weiterhin auf ein Ergebnis um die 20 Prozent, vielleicht sogar den ersten Platz. Immerhin: So weit, dezidiert den Kanzleranspruch zu stellen, ging er diesmal nicht.