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Landesholding sucht neuen Chef und neue Strukturen

Von Simon Rosner

Politik

Aufsichtsratschef Werner Wutscher von "harten Urteilen sehr überrascht".


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Klagenfurt. Es ist eine elegante, 68 Seiten dicke Broschüre, mit der sich die Kärntner Landesholding (KLH) präsentiert. Darin informiert sie über ihre Gesellschaften, ihre Beteiligungen, ihre Geschichte und die durch den Zukunftsfonds geförderten Projekte. Auf der letzten Seite ist ein nicht unwichtiger Vermerk zu finden: "Stand: Mai 2012."

Seit Montag ist in der Landesholding alles anders, nachdem die beiden Vorstände Hans-Jörg Megymorez und Gert Xander im Birnbacher-Prozess wegen Untreue drei beziehungsweise zwei Jahre unbedingt ausfassten. Die erstinstanzlichen Urteile sind nicht rechtskräftig, die Verteidigung der beiden Vorstände kündigte bereits Berufung an.

Nur wenige Stunden später präsentierte die KLH bereits Hans Schönegger als interimistischen Nachfolger, dieser war bisher Vorstand des Kärntner Wirtschaftsförderungsfonds.

Der Ruf ist beschädigt

"Wir brauchen handlungsfähige Organe, deshalb mussten wir sofort handeln", sagt Werner Wutscher, der Aufsichtsratschef der Landesholding. Der ehemalige Rewe-Manager ist selbst erst seit September im Amt, er war dem gefallenen ÖVP-Landesrat Achill Rumpold gefolgt, der wiederum Josef Martinz Anfang des Jahres als Holding-Vorsitzender beerbt hatte. In der Broschüre vom Mai scheinen auch noch die Scheuch-Brüder Kurt und Uwe im Aufsichtsrat auf, sie haben ihr Mandat dort ebenfalls zurückgelegt.

In den kommenden Wochen wird Wutscher die Scherben der vergangenen Wochen einsammeln müssen. "Es wäre naiv zu sagen, dass die Reputation nicht darunter gelitten hat", sagt Wutscher zur "Wiener Zeitung". Der bevorstehende Wahlkampf macht Wutschers Aufgabe wohl nicht einfacher. Zwar sehe er seine Rolle nicht in der Öffentlichkeit, doch bis ein neuer Vorstand gefunden ist - die Bewerbungsfrist der Stellenausschreibung läuft bis 5. November - wird Wutscher um öffentliche Stellungnahmen nicht herumkommen. Interimsvorstand Hans Schönegger zählt zu den aussichtsreichen Kandidaten.

In einer Arbeitsklausur am Donnerstag will Wutscher auch die Weichen für eine Umstrukturierung der Landesholding stellen, wie sie schon im Mai der Aufsichtsrat beabsichtigt hatte. Freilich ein etwas anderer Aufsichtsrat. Die KLH sei ein Unternehmen mit einer Bilanzsumme von 800 Millionen Euro, erklärt Wutscher, sie könnte effizienter agieren. Die Entscheidung über eine Entschlackung der Führungsetage ist jedoch dem Eigentümer, dem Land Kärnten, vorbehalten.

Spannend wird für die Holding auch die weitere Genese des Birnbacher-Prozesses, an den sich die KLH als Privatbeteiligte angeschlossen hat. "Wenn es möglich ist, Mittel zurückzuholen, werden wir das tun, dazu sind wir verpflichtet", sagt Wutscher, selbst ein studierter Jurist. Und als solcher zeigt sich der Aufsichtsratschef "sehr überrascht" über die Urteile gegen die KLH-Vorstände. "Ich habe extra ein Seminar zu Untreue in der Rechtsprechung in Deutschland besucht. Da gibt es oft Diversion. Diese harten Urteile sind eine echte Novität in der Judikatur."