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Lange gepokert, spät saniert

Von Stefan Melichar

Wirtschaft

Bei kroatischen Projekten letztlich Millionen verjuxt. | Hypo hätte sich Zagorec-Projekte schnappen können. | Wien. Wenn der Hut brennt - nützt man dann eine Chance, mit Gewinn auszusteigen, oder wartet man auf noch höhere Profite? Rund um die Kärntner Hypo ist viel von faulen Kreditengagements die Rede, die vor dem Einstieg der BayernLB bei der Bank im Jahr 2007 eingegangen worden sind. Kaum beachtet wird, wie unter der Ägide der Münchner Konzernmutter mit genau jenen Problemfällen umgegangen worden ist - und welche Fehler dabei passiert sind.


Wie Dokumente, die der "Wiener Zeitung" vorliegen, zeigen, verjuxte man etwa bei den kroatischen Tourismusprojekten AB Maris und Darija letztlich mehrere Millionen Euro: Die Hypo hielt dort jeweils 26 Prozent und hatte per 1. Jänner 2008 inklusive offener Zinsen mehr als 43 Millionen Euro an Krediten an die beiden Firmen vergeben. Obwohl diese teilweise überfällig waren, nahm die Hypo ein Angebot der Mehrheitseigentümer, die Verbindlichkeiten umzuschulden und der Bank ihre Anteile abzukaufen, nicht an.

Fünf Millionen mehr

Dabei bezog sich das Angebot auf eine von den Hypo-Vorständen Tilo Berlin und Josef Kircher unterzeichnete Absichtserklärung vom 5. November 2007. Darin hieß es, man wäre bereit, die Anteile um 26,9 Millionen Euro (Anschaffungskosten: 24,6 Millionen Euro) zu verkaufen. Man zog es jedoch vor weiterzupokern: Am 10. Dezember 2007 schrieb die Hypo den Mehrheitseigentümern, dass "die BayernLB (...) einem Verkauf der Beteiligungen (.. .) nur dann zustimmen wird", wenn die Hypo zusätzlich fünf Millionen Euro erhält. Insgesamt wollte man 32,7 Millionen Euro für die 26 Prozent - worauf die Verhandlungen platzten. Kaum ein halbes Jahr später bot ein griechischer Immobilienentwickler tatsächlich 33 Millionen Euro. Auch hier die überraschende Absage: zu niedrig.

Im Endeffekt verkaufte die Hypo die Beteiligungen erst im Mai 2010, also nach der Notverstaatlichung - um 28 Millionen Euro. Zwei Jahre zuvor hätte man fünf Millionen mehr bekommen. Zwar konnte man damals die Folgen der Wirtschaftskrise nicht abschätzen. Bei beiden Projekten gab es aber schon vorher Probleme. Wie aus einem Aktenvermerk Kirchers hervorgeht, waren AB Maris und Darija bereits im August 2008 Fälle für das bankinterne Sanierungsteam.

Kircher beschäftigte sich nach seinem Abschied aus dem Hypo-Vorstand als Berater für die Bank auch mit den Projekten des kroatischen Ex-Generals Vladimir Zagorec. Am 10. Oktober 2008 schrieb Kircher an Berlin, man habe "de facto ein Lösungsszenario ausgearbeitet". Sollte Zagorec, der damals gerade von Österreich an Kroatien ausgeliefert worden war, bis 15. Jänner 2009 die Hypo-Kredite nicht umfinanziert haben, würde die Bank eine Verkaufsvollmacht bekommen beziehungsweise die Projekte zum Schätzwert übernehmen können.

In einem weiteren Bericht vom 6. Juli 2009 wundert sich Kircher, dass "dieser Weg nicht fortgesetzt" worden sei. Bis heute wird an einer Rückführung der Kredite gearbeitet.