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Länger arbeiten

Von Stefan Janny

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Europas Regierungen stemmen sich mit unterschiedlichem Geschick gegen die Wirtschaftskrise. Gemeinsam ist ihnen, dass die Schleusen der Staatshaushalte geöffnet wurden. Was freilich den unangenehmen Effekt hat, dass die Verschuldung der öffentlichen Haushalte drastisch ansteigen wird.


In Belgien, Griechenland und Italien werden die Schulden kommendes Jahr höher als das jeweilige Bruttoinlandsprodukt (BIP) sein. In Österreich werden sie nach Schätzungen von Bernhard Felderer, dem Vorsitzenden des Staatsschuldenausschusses, demnächst vermutlich 80 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen. Dabei wird sogar normalerweise eher zurückhaltend formulierenden Herrschaften zusehends schwummerig. "Angesichts der besorgniserregenden Aussichten für die öffentlichen Finanzierungssalden" sowie aufgrund "des prognostizierten Anstiegs der Defizit- und Schuldenquoten besteht die Gefahr, dass das Vertrauen in die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen ernsthaft untergraben wird", formulierte etwa die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrem Monatsbericht für Juni.

Dabei ist in dieser mehr als unerquicklichen Vorschau ein nicht unwesentlicher Faktor noch keineswegs ausreichend berücksichtigt. So nahm die EZB den kürzlich vom EU-Ausschuss für Wirtschaftspolitik veröffentlichten Bericht zur Bevölkerungsalterung zur Basis, um die finanziellen Auswirkungen für den Euro-Raum zu kalkulieren. Das Ergebnis: Bis 2060 wird der Anteil der alterungsbedingten Kosten am BIP um mehr als 5,2 Prozentpunkte steigen. Sollte die nunmehrige Rezession länger anhalten als derzeit prognostiziert, dann würde der BIP-Anteil der Alterungskosten noch weiter steigen.

Deutschland hat auf diesen grundsätzlich seit langem absehbaren Trend bereits vor einiger Zeit reagiert und von 2012 bis 2019 eine schrittweise Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre beschlossen. Das wird vermutlich zu wenig und zu langsam sein. Im Gegensatz zur Realitätsverweigerung der österreichischen Politik bei diesem Thema ist es aber zumindest ein Anerkennen, dass hier ein auf die Dauer nicht finanzierbares Problem besteht.