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Länger leben und arbeiten

Von Petra Tempfer

Politik
Erwerbsfähige Menschen sollen länger im Arbeitsprozess gehalten werden.

Die Beschäftigungsquote der älteren Erwerbsfähigen muss Sozialminister Rudolf Hundstorfer zufolge stark gehoben werden, am Frauenpensionsantrittsalter hält er aber fest.


Wien. "Unsere Problemzonen sind die 60- bis 64-jährigen erwerbsfähigen Männer und die 55- bis 59-jährigen Frauen", sagte Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) am Montag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Denn nur 24 Prozent der erwerbsfähigen Männer dieser Altersgruppe gingen derzeit einer Beschäftigung nach - Ziel sei, den Anteil bis 2018 auf 35 Prozent zu heben. Bei den Frauen sind es Hundstorfer zufolge 51,7 Prozent. In drei Jahren sollen es 62,9 Prozent sein.

Um diese Ziele zu erreichen, müsse man freilich Anreize schaffen, sagte Hundstorfer. Eine "zu führende Diskussion" sei zum Beispiel jene über das Bonus-Malus-System: Unternehmen, die ältere Arbeitnehmer beschäftigen, sollen belohnt werden. Jene, die keine oder zu wenige beschäftigen, werden abgestraft. Dagegen hat sich bisher allerdings immer die Wirtschaftskammer gesperrt. Ein weiteres mögliches Modell sei laut Hundstorfer, die Arbeitszeit kurz vor der regulären Alterspensionsgrenze zu reduzieren und dafür einen Teil der Pension vorzuziehen. Nähere Details wollte der Minister aber noch nicht nennen, "weil wir gerade in einer interessanten Verhandlungsphase sind", wie er meinte. Tatsache sei, dass man in jedem Fall etwas gegen den hohen Anteil an psychischen und psychiatrischen Diagnosen unternehmen müsse. Diese liegen den frühzeitigen Pensionsantritten von 54 Prozent der Männer und 58,5 Prozent der Frauen zugrunde. Durch ein verbessertes Therapie- und Umschulungsangebot könne man zum Beispiel gegensteuern.

Dorthin zu kommen, wo man 2018 sein will, sei diesbezüglich jedenfalls "ein langer Weg", so Hundstorfer. Die im Regierungsprogramm festgeschriebene Anhebung des durchschnittlichen, tatsächlichen Pensionsantrittsalters der Österreicher in der gesetzlichen Versicherung (ASVG, Gewerbe und Bauern) auf 60,1 Jahre bis 2018 "werden wir aber zusammenbringen". Im Vorjahr sei dieses bereits um 13 Monate gestiegen: Statt mit 58,5 Jahren wie 2013 gingen die Österreicher 2014 mit 59 Jahren und sieben Monaten in den Ruhestand.

Österreicher gehen bereitsjetzt später in Pension

Schaut man nur die Alterspension an, ist der Anstieg mit knapp fünf Monaten (auf 61 Jahre und zwei Monate) allerdings deutlich weniger beeindruckend. Die Divergenz rührt daher, dass im Vorjahr die Invaliditätspension für Unter-50-Jährige durch ein Reha-Geld abgelöst wurde, womit diese Gruppe aus der Pensionsstatistik fällt. Durch diesen statistischen Kniff war bereits im Vorhinein klar, dass das Antrittsalter steigen wird. Aber auch ohne diese Besonderheit bei der Invaliditätspension kristallisiert sich heraus, dass die Zahl der Pensionsanträge als auch jene der Zuerkennungen sinkt. Das liegt vermutlich unter anderem an dem erschwerten Zugang zur Hacklerregelung. Das Antrittsalter für die Langzeitversichertenpension wurde im Vorjahr um zwei Jahre erhöht.

Am Fahrplan zur Anhebung des Frauenpensionsantrittsalters will Hundstorfer aber definitiv nichts ändern. Nach derzeitiger Rechtslage ist es jedenfalls so, dass ab 2024 die Pensionsgrenze jährlich um sechs Monate erhöht werden soll, um das Antrittsalter der Frauen (aktuell 60) bis 2033 an jenes der Männer (65) anzugleichen.

Zuletzt hatte ÖVP-Obmann Reinhold Mitterlehner die Diskussion um eine frühere Anhebung im Zuge der Steuerreformdebatte erneut entfacht. Auch Experten wie EX-IHS-Chef Christian Keuschnigg oder Wifo-Chef Karl Aiginger hatten diese empfohlen, weil das Pensionssystem sonst nicht nachhaltig finanziert werden könne. Die Debatte um das Antrittsalter der Frauen hatte bereits den Nationalratswahlkampf 2013 begleitet. Der von der ÖVP propagierte Begriff "Pensionsautomatik", wonach das gesetzliche Pensionsantrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt werden soll, ist mittlerweile zum Reizwort für die SPÖ geworden.

Nur noch 25 Prozent der Versicherten sind Beamte

Uneins ist man sich auch bei den Beamtenpensionen. Die ÖVP ist dagegen, dass diese ins Pensionsmonitoring einberechnet werden, die SPÖ ist dafür, "um ein entzerrtes Bild auf die wahren Ausgaben zu erhalten", so Hundstorfer. Die Zahl der Beamten mit entsprechenden Pensionsansprüchen sinke monatlich. In Wien seien nur noch 25 Prozent der Versicherten Beamte.