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Längere AKW-Laufzeiten unnötig

Von Christine Zeiner

Europaarchiv

Gutachten sieht keine Gefährdung der Stromversorgung. | Berlin. Deutschland braucht Atomkraftwerke -- und zwar länger, als es das Gesetz derzeit vorsieht: Das betonen die Kanzlerin und ihr Stellvertreter seit Monaten. Umso überraschender ist nun das Ergebnis eines Gutachtens, das von der Regierung in Auftrag gegeben wurde und kommende Woche vorgestellt werden soll. Denn darin heißt es laut "Handelsblatt": Für eine Verlängerung ergebe sich kein zwingender Grund. Weder würde der Strom teurer werden ohne die AKW, noch sei die Versorgung gefährdet.


Genau das aber erklären Konservative und Liberale stets: Man brauche die Atomkraft als "Brückentechnologie", bis es genügend Strom aus alternativen Energiequellen gibt.

Und so beauftragten das Umwelt- und das Wirtschaftsministerium das Energiewirtschaftliche Institut der Universität Köln, das Schweizer Prognos-Institut und das Wirtschaftsforschungsunternehmen GWS damit, die Effekte einer Laufzeitverlängerung um 4, 12, 20 und 28 Jahre zu berechnen. Das Gutachten sollte die Grundlage für das Energiekonzept der Regierung sein. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) setzt sich für eine Verlängerung von acht Jahren ein, etliche seiner Parteikollegen wünschen sich 15 Jahre und mehr. Derzeit hat jedes der 17 AKW Reststrommengen, die es noch produzieren darf. Auf dieses Ausstiegskonzept haben sich vor zehn Jahren die damalige Regierung von Rot-Grün und die vier großen Energieunternehmen geeinigt. Um 2020 herum soll dann jeder Meiler abgeschaltet sein. Doch E.On, RWE, EnBW und Vattenfall arbeiten daran, dass ihre abgeschriebenen AKW möglichst lange am Netz bleiben.

Für Aufruhr sorgte das Gutachten, als bekannt wurde, dass E.On und RWE das Energiewirtschaftliche Institut in Köln mit jeweils vier Millionen Euro unterstützen. Das Ergebnis des Gutachtens bezeichnet die Anti-Atom-Bewegung "ausgestrahlt" nun als "schallende Ohrfeige für die Atomlobby und ihre Freunde in Union und FDP".

Wie lange die AKW nun noch Strom produzieren werden dürfen, will die Regierung Ende September in ihrem Energiekonzept bekanntgeben.

Im Gegenzug für längere Laufzeiten wünscht sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) jedenfalls, dass die Konzerne freiwillig in erneuerbare Energien investieren. Die Überlegung, mit einer Abgabe an Teile der Gewinne zu kommen, würde dann fallengelassen.