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Längst mehr als Jaffa-Orangen

Von Walter Hämmerle

Wirtschaft

Israel rangiert als Wirtschaftspartner für Österreich unter "ferner liefen". Das hat sicher auch mit der politischen Situation in der Region zu tun. Dass Israels Wirtschaft jedoch sehr wohl interessant ist, zeigt allein die Tatsache, dass rund 140 Unternehmen mit israelischer Beteiligung an der Wall Street notieren. Nicht zuletzt deshalb will Kunststaatssekretär Franz Morak anlässlich seines Israel-Besuchs vom 13. bis 17. September auch die Wirtschaftsbeziehungen zum Thema machen.


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"Die Beziehungen Österreich-Israel standen von Anfang an unter keinem guten Stern", beklagt David Ungar-Klein, Generalsekretär der Österreichischen Israelischen Handelskammer (AICC) im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Schon von der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 an habe Österreich - im Gegensatz etwa zu Deutschland - den Kontaktaustausch verschlafen. Erst mit dem Ende der Kreisky-Ära 1984 kam es auf wirtschaftlichem Gebiet zu einer ersten Annäherung. Die Turbulenzen der Ära Waldheim ab 1986 bereiteten dem jedoch ein abruptes Ende. In den 90er Jahren intensivierten sich zwar die Wirtschaftsbeziehungen wieder, von den Folgen der Angelobung der ÖVP-FPÖ-Koalition im Februar 2000 blieben aber auch sie nicht verschont. Mit der langsamen Normalisierung der politischen erhalten nun jedoch auch die wirtschaftlichen Beziehungen eine neue Chance.

Mangelndes Bewusstsein

Die Politik ist sicherlich nicht allein verantwortlich dafür, dass Österreichs Handelsvolumen mit Israel mit derzeit 240 Mill. US-Dollar nur an vorletzter Stelle der EU-Staaten rangiert - nur Portugal liegt hier noch hinter Österreich. Für Ungar-Klein fehlt es hierzulande ganz einfach am Bewusstsein, dass das kleine Land - auf eine Fläche der Größe Niederösterreichs kommen 6. Mill. Einwohner - ein wertvoller Wirtschaftspartner sein könnte. Eine OGM-Umfrage unter Managern aus dem Jahr 2001 zeigte, dass fast 60% glaubten, Österreich importiere vor allem landwirtschaftliche Produkte wie etwa die Jaffa-Orangen.

High-Tech-Land Israel

Die Realität zeichnet jedoch längst ein anderes Bild. "Fast die Hälfte der österreichischen Importe sind High-Tech-Produkte", erklärt Ungar-Klein. Und das kommt nicht von ungefähr. Auf 10.000 Arbeitnehmer kommen in Israel 140 Wissenschaftler und Techniker. Im Vergleich dazu bringen es die USA nur auf 80 und Deutschland auf 60.

Diese Zahlen deuten bereits das Wissens-Potenzial von Israels Wirtschaft an, das vor allem auf die Einwanderung hoch- und höchstqualifizierter Juden aus der ganzen Welt zurück zu führen ist.

Aber auch andere Zahlen belegen die Potenz der israelischen Wirtschaft: So sind 5% des globalen Kommunikationsumsatzes israelische Produkte bzw. Patente. 140 Unternehmen mit israelischer Beteiligung notieren an den New Yorker Börsen. Während internationale Unternehmen und Venture Capital Fonds - Israel kam 2000/01 auf ein Venture Capital-Volumen von 7.000 US-Dollar, Österreich nur auf bescheidene 250 Mill. US-Dollar - dieses Potenzial längst für sich entdeckt haben, ist davon in Österreich noch so gut wie nichts bekannt.

Morak auf Staatsbesuch

Deshalb will Kunststaatsekretär Franz Morak auch die österreichisch-israelischen Wirtschaftsbeziehungen anlässlich seines fünftägigen Israel-Besuchs ab 13. September ansprechen. Auf dem Terminkalender Moraks steht ein Treffen mit Industrie-, Handels- und Kommunikationsminister Ehud Olmert. Denn Israels High-Tech-Wirtschaft ist für österreichische Unternehmer ein Riesenmarkt, ist Ungar-Klein überzeugt.