Zum Hauptinhalt springen

Lanze für das Pensionssystem

Von Eva Stanzl

Wissen
Preisträger Markus Knell von der Nationalbank. Foto: Knell

100.000 Euro für hervorragende Arbeit in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. | "Umlageverfahren ist besser als sein Ruf." | Wien. Das österreichische Pensionssystem muss erhalten bleiben, darf jedoch kein Selbstbedienungsladen sein. Das ist die Stoßrichtung der Arbeit, für die der Wirtschaftsforscher Markus Knell heuer den mit 100.000 Euro dotierten "Hannes Androsch Preis" erhält.


Die vom Industriellen Hannes Androsch bei der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) eingerichtete Stiftung vergibt die Auszeichnung zum ersten Mal. Markus Knell ist an der volkswirtschaftlichen Forschungsabteilung der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) tätig. Der Titel seiner Arbeit ist "Das Umlageverfahren - Relikt der Vergangenheit oder Weg für die Zukunft?". Die Preisverleihung erfolgt am 4. Mai.

Knell, geboren 1968, studierte Philosophie, Soziologie und Wirtschaft an der Universität Wien, der University of California in San Diego und der Universität Zürich. Er war Assistent mit Spezialgebiet Makroökonomie an den Instituten für Volkswirtschaftslehre der Unis Wien und Zürich. In der OeNB ist er insbesondere auf Geldpolitik, Makroökonomie, Lohnbildung und Arbeitsmarkt spezialisiert.

Die prämierte Arbeit befürwortet das Umlage-basierte Pensionssystem wie es in Österreich praktiziert wird. "Der Sukkus ist, dass das Umlageverfahren besser ist als sein Ruf. Ein zukunftsträchtiges Pensionssystem sollte zu einem guten Teil darauf aufbauen", erläutert Knell der "Wiener Zeitung". Beim umstrittenen - weil immer schwieriger finanzierbaren - Umlageverfahren werden geleistete Beiträge sofort an die Empfänger der jeweiligen Sozialleistungen weitergeleitet. Dem gegenüber stehen Ansparverfahren, bei denen jeder für sich selbst - für zukünftige Leistungen - einzahlt und darauf hofft, dass das Geld inzwischen auf dem Kapitalmarkt Zinsen abwirft.

Die Androsch-Stiftung ist laut ÖAW die bedeutendste private Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Forschung in Österreich. Sie wurde 2004 zunächst mit einer Million Euro dotiert. Ziel ist, das Stiftungsvermögen auf zehn Millionen Euro anzuheben. Forschungsarbeiten zu den Schwerpunkten Arbeit und Festigung des sozialen Ausgleichs und Friedens sollen gefördert werden.

Für die Ausschreibung mit dem Wortlaut: "Die Ausgestaltung eines Sozialversicherungssystems, das der zweifachen Gefährdung durch den demographischen Wandel und dem Finanzmarktrisiko standhält" gab es 17 Einreichungen aus elf Ländern. Der Preisträger wurde von einer internationalen, von der ÖAW nominierten Jury ausgewählt. Die von ÖAW-Experten vorselektierten Arbeiten wurden anonymisiert der Jury übermittelt. Zu den Mitgliedern zählen Barry Eichengreen, Professor für Ökonomie an der University of California, Vera Negri Zamagni, Professorin für Wirtschaft an der Universität Bologna, und Thomas Lindh, Professor an der Linnaeus Universität in Stockholm. Androsch, der auch Vorsitzender Forschungsrats ist, will mit der Stiftung "für wichtige gesellschaftliche Themen ein Bewusstsein schaffen. Ein nächstes Thema könnte Bildungsökonomie sein."

Steuern für das Preisgeld

Androsch kritisiert jedoch die Haltung der Bundesregierung zur Finanzierung von Forschung, die "private Investitionen behindert". So sei seiner Stiftung die Gemeinnützigkeit aberkannt worden, weil eine Preisverleihung keine wissenschaftliche Tätigkeit sei. Das bedeute: Knell muss seinen Preis, der ihm laut Stiftung frei zur Verfügung steht, versteuern. "Mit dieser Haltung und mit diesem Forschungspfad wird die Regierung ihr Ziel von 3,76 Prozent Forschungsquote des Bruttoinlandsprodukts nicht erreichen", sagt er zur "Wiener Zeitung".