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Lärm macht krank

Von Petra Medek

Wirtschaft
Nicht nur in Produktionsbetrieben sind Beschäftigte einer permanenten Lärmbelästigung ausgesetzt. BilderBox

Lärmschwerhörigkeit häufigste Berufskrankheit in der EU. | Etwa 500.000 Österreicher betroffen. | Wien. Arbeitsbedingte Lärmschwerhörigkeit ist nach wie vor die häufigste Berufskrankheit in der Europäischen Union. Auch in Österreich liegt sie mit 38 Prozent aller neu anerkannten Berufserkrankungen an erster Stelle. Das heurige Jahr hat die Europäische Kommission das Jahr 2005 daher unter das Motto "Schluss mit Lärm" gestellt.


Lärm tritt in unterschiedlichsten Formen auf und ist nicht nur in der Industrie oder im Straßenbau zu finden: Betroffen sind auch Lkw-Fahrer, Beschäftigte in der Freizeitwirtschaft, aber auch Kindergärtner oder Call Center-Mitarbeiter.

"Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 1300 Fälle von beruflicher Lärmschwerhörigkeit. Das entspricht 21,3 Prozent aller Berufskrankheits-Renten", teilte der Obmann der Auva, Helmut Klomfar, mit. Jährlich würden etwa 30 bis 40 neue Lärmrenten zuerkannt. Aber auch diese Zahl soll gesenkt werden, betont Klomfar. Abgesehen davon, belasteten die durch Lärm mitverursachten Krankenstände auch die österreichische Wirtschaft.

Verbesserungen durch neue Richtlinie

Mit Anfang nächsten Jahres wird in Österreich eine EU-Richtlinie umgesetzt, die Verbesserungen beim Lärmschutz bringen soll. Dazu gehört beispielsweise die Festlegung eines Grenzwertes auch für kurzfristige Schalleinwirkungen wie etwa das Hämmern auf Blech. Bis dato beschränkt sich der Arbeitnehmerschutz auf akustische Einwirkungen des Schalls auf das Gehör. Nun wird er auch Substanzen wie etwa Lösungsmittel umfassen, die in Verbindung mit Schall die schädigende Wirkung auf das Gehör potenzieren.

Auch neue Schutzziele werden festgelegt: Bis dato beschränkt sich der Arbeitnehmerschutz auf die schädigende Wirkung von Lärm auf das Ohr. Ab 2006 soll auch die Wirkung von Lärm auf den gesamten Organismus (Nervosität, Schlaflosigkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen etc.) berücksichtigt werden.

Für subjektive Belastungen wie Stress gibt es keine objektive Möglichkeit der Messung, so Wilfried Friedl von der Auva. "Es geht hier jedoch mehr um Bewusstseinsbildung bei den Unternehmen, die durch die neue Richtlinie angehalten werden, Lärmbelästigungen aller Art zu reduzieren".