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Lassen sich "Alpha-Tiere" coachen?

Von Sophia Freynschlag

Wirtschaft
"Unternehmer sind nicht beratungsresistent", meint Georg Kraus. Foto: Kraus

Hemmungen bei emotionsgeladenen Themen. | Status, Erfahrung und die Gehaltsklasse entscheiden, ob ein Coach akzeptiert wird. | Wien. Unternehmer gelten als beratungsresistent, wenn es um ihre persönlichen Eigenschaften geht. Das sind sie aber nicht, sagt Georg Kraus, geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensberatung Dr. Kraus & Partner mit Sitz in Bruchsal im deutschen Baden-Württemberg. Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erklärt Kraus, warum es Unternehmern so schwer fällt, Rat zu holen - und wann sie Feedback annehmen.


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"Wiener Zeitung": Wenden sich Unternehmer häufig an Berater oder nur dann, wenn der Hut brennt? Georg Kraus: Den Kontaktanlass stellt meist ein akutes betriebliches Problem dar. Unternehmer können sich häufig schwer eingestehen, dass sie Rat brauchen, weil dies noch immer als persönliche Schwäche angesehen wird. Daher haben Unternehmer auch Schwierigkeiten, sich einem Coaching auszusetzen. Oft wenden sich aber gerade jene Unternehmer, die ein Coaching brauchen würden, nicht an Berater.

Warum fällt es Unternehmern schwer, sich beraten zu lassen?

Bei Fachfragen können sich Unternehmer noch am ehesten eingestehen, dass sie Rat oder Hilfe brauchen. Am schwierigsten ist es für sie aber, Unterstützung bei Fragen einzuholen, bei denen sie ahnen: Die hängen auch mit mir und meinem Verhalten zusammen - zum Beispiel, wenn gute Mitarbeiter den Betrieb oft nach kurzer Zeit wieder verlassen. Als pragmatische Macher graust es ihnen vor solchen "menschelnden", also emotionsgeladenen Themen.

Welche Charaktereigenschaften stehen Unternehmern hier im Weg?

Unternehmer sind Alpha-Tiere. Sie sind gerade deswegen erfolgreich, weil sie eine Vision im Kopf haben und konsequent ihren Weg gehen. Sie haben ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein entwickelt. Zweifeln ist keine Stärke von erfolgreichen Menschen, sie stellen sich selbst nicht in Frage. Erfolg macht aber gleichzeitig blind für Fehlentwicklungen. Er verleitet zum Denken, dass Probleme nicht an einem selber liegen.

Wie gehen Unternehmer mit Coaching um?

Es gibt zwei Sorten: Einige schämen sich und lassen sich heimlich coachen, damit ihre Mitarbeiter nicht merken, dass ihr Chef sich coachen lässt. Die andere Gruppe geht selbstbewusst damit um und sieht Coaching als Entwicklungsmöglichkeit.

Nur wenn der Berater auf Augenhöhe ist, nimmt ihn der Unternehmer ernst. Foto: fotolia

Von wem wird offenes Feedback akzeptiert?

Man muss nicht immer einen professionellen Coach holen. Eine gute Alternative ist ein anderer Unternehmer, zu dem man ein gutes Verhältnis hat und mit dem man auch die persönliche Entwicklung und Probleme ansprechen will. Es sollte aber kein direkter Konkurrent sein. Bei einem professionellen Coach ist für Unternehmer besonders wichtig, dass er ihnen vom Status und der Erfahrung ebenbürtig ist. Nur wenn der Unternehmer das Gefühl hat, dass der Coach auf einer Augenhöhe ist, nimmt er den Rat ernst. Auch die Gehaltsklasse spielt bei der Einschätzung eine Rolle.

Wenn es zum Coaching kommt - welche Faktoren entscheiden über den Erfolg?

Es ist wie beim Flirten: Die ersten Minuten sind entscheidend, ob man das Gegenüber sympathisch findet. Gerade gestandene Unternehmer testen Berater gerne mit Machtspielchen. Abhängig davon, wie ihr Gegenüber auf diese Machtspielchen reagiert, fällen sie für sich entweder das Urteil "Dampfplauderer, der mir nichts zu sagen hat" oder aber "gleichwertiger Gesprächspartner, der mich unterstützen kann". Mit einer Basis aus Akzeptanz und Grundsympathie funktioniert das Coaching.