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Lasst sie einfach rennfahren!

Von Christian Mayr

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WZ  Christian Mayr
WZ  Christian Mayr
© Wiener Zeitung

Was hätte wohl Niki Lauda zu so einem WM-Finale gesagt? Wäre dem dreifachen Formel-1-Weltmeister angesichts dieser epochalen letzten Runde von Abu Dhabi das Herz aufgegangen? Oder hätte er sich als Mercedes-Strategiehirn gegiftet und vom größten Rennskandal aller Zeiten gesprochen? Wir wissen es bekanntlich nicht. Was wir wissen, ist ein berühmter Satz von "Niki nazionale", den just Red-Bull-Teamchef Christian Horner nach dem Safety-Car-Drama bemühte. "Niki Lauda hat das Konzept des ,Let them race‘ einst begonnen." Und genau das habe Renndirektor Michael Masi nun befolgt, meinte Horner Richtung Mercedes. Touché!

Tatsächlich wäre es unwürdig gewesen, wäre so eine Saison im Schneckentempo mit einer Safety-Car-Phase oder überrundeten Boliden zwischen den beiden Kontrahenten Lewis Hamilton und Max Verstappen zu Ende gegangen. Das Schicksal in Form eines Rennunfalls hat den finalen Thriller erst ermöglicht - und Masi hat die beiden noch eine Runde lang fahren lassen. Eine umstrittene, aber regelkonforme Entscheidung - jedenfalls aber eine im Sinne des Rennsports. Und das sollte bei den Dauerweltmeistern Hamilton und Mercedes schon langsam sickern und ihre peinlich werdende Protestfahrt überdenken lassen. Der Weltmeister heißt Verstappen, alles andere würde die Formel 1 - und damit auch das Mercedes-Team - ins Chaos stürzen. Mit dem Herzschlagfinish einer atemberaubenden Saison wurde der totgesagten Rennserie weltweit neues Leben eingehaucht, was a la longue auch den enthronten Silberpfeilen zugutekommt.

Denn sie waren es kraft ihrer Dominanz, die die Königklasse des Motorsports zur "Formel fad" gemacht haben. Mit einem vor Gericht erstrittenen Titel würde sie zur "Formel Farce" mutieren.