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"Lasst uns nicht verhungern"

Von Nina Flori

Politik
Studenten besetzen das Minoritenstüberl. Foto: flor

Protestaktion in Ministerium-Mensa. | "Damit sie sehen, wie es ist, wenn man keinen Platz hat." | Wien. "Das ist mein Mittagsgeschäft, und meine Marie. Also bitte, hören Sie den Studenten zu. Dann ist das Ganze hoffentlich schnell vorbei", meinte Fernsehkoch und Minoritenstüberl-Chef Andreas Wojta gestern, Donnerstag Mittag, zu seinen Gästen.


An die 100 Studenten vom Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaften hatten für etwa eineinhalb Stunden im Rahmen des "bundesweiten Aktionstages" das Minoritenstüberl, die Mensa des Wissenschaftsministeriums, besetzt. Ziel der spontan am Vorabend im Plenum beschlossenen Aktion war es, vor allem, den Platzmangel am theaterwissenschaftlichen Institut aufzeigen. "Die Leute vom Wissenschaftsministerium sollen einmal sehen, wie es ist, wenn man keinen Platz hat", erklärte ein 22-jähriger Student. "Aber sie können sich ja auch - wie wir auf der Uni - auf die Stufen setzen", fügte er hinzu. Die Mensa des Wissenschaftsministeriums habe man für die Aktion gewählt, weil sie ein Ort der Nahrung sei. Und Nahrung - in übertragener Form - sei es auch, was den Studenten fehle.

Unter den Aktionisten befanden sich auch Lehrende des Instituts: "Österreich ist ein Dritte-Welt-Land, was Bildung anbelangt. Ich bin sehr erfreut, dass die Studierenden jetzt etwas dagegen unternehmen", meinte etwa Instituts-Professor Rainer Köppel. Chef Andreas Wojta versuchte unterdessen, die eintreffenden, wegen der ungewöhnlichen Zustände irritiert umherblickenden Gäste zu beschwichtigen: Ja, das seien Studenten, die protestierten. Er verstehe auch nicht, warum sie gerade zu ihm kämen. So etwas sei ihm in 30 Jahren noch nie passiert.

Diskussion mit Gästen

Bei den Gästen stieß die Protestaktion der Studenten aber zum Großteil ohnehin auf Verständnis. Von mehreren Seiten war allerdings zu hören, dass es nicht in Ordnung sei, dass "dem Andi nun sein Mittagsgeschäft entgehe".

Um eins zogen die Studenten wieder ab, und wandten sich den nächsten Agenden des Aktionstages zu. Erfreut zeigten sie sich über so manche am Mittagstisch entstandene Diskussion mit den Gästen. Einige Studenten haben übrigens auch etwas gegessen, weshalb "Andis Mittagsgeschäft" dann doch nicht "so eingeschränkt" war.