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Lasst Weihnachten im März beginnen!

Von Edwin Baumgartner

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Jetzt hat doch der Morawa, diese Bastion buchhändlerischer Seriosität, und kurz darauf (vielleicht war’s auch umgekehrt) die Thalia, diese Bastion buchhändlerischen Profitdenkens, das Weihnachtssortiment herausgelegt. Jetzt. Im Oktober.

Eine Kollegin beruhigt mich, weil ja auch die Supermärkte schon den Weihnachtslebkuchen anbieten, und sie findet das gut, weil sie den Weihnachtslebkuchen nun einmal gerne isst. Und ich gebe ja sogar zu, dass mir der Honigmarzipan, den der Bio-Laden unweit des Morawa eben nur zur Weihnachtszeit führt, durchaus auch schon im September willkommen wäre (eigentlich ganzjährig, um ehrlich zu sein). Aber irgendetwas scheint mir da dennoch schiefzulaufen.

Da geht es nämlich nicht annähernd mehr um die Inhalte von Weihnachten und die Lehre Christi, sondern nur um knallharte Geschäftsinteressen: lange Vorweihnachtszeit = langer Weihnachtskaufrausch.

Aber das könnte man religiös nutzbringend verwerten für eine Datumskorrektur von Weihnachten weg von den heidnisch-römischen Sol-Invictus-Feiern am 25. Dezember hin zum wahrscheinlichen Geburtstag Christi im Mai. Dann könnte man im März mit dem Weihnachtsgeschäft anfangen, im Juni könnte dann der Verkauf für das höchste Fest des unchristlichen Jahres, also Halloween, beginnen, darauf folgt der aufgewertete Jahreswechsel. Von Jänner bis März rettet sich der Handel mit Ostern.

In den Sechzigerjahren schrieb der Italiener Dino Buzzati seine Geschichte "Zu viel Weihnachten". Der Mann muss ein Prophet gewesen sein ...