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"Last in -first out" in schwierigen Zeiten

Von Petra Medek

Wirtschaft

In Zeiten schwacher Konjunktur würden Betriebe bei ihren Personaleinsparungen nach dem Prinzip "last in - first out" agieren, um somit das Know-how älterer Arbeitnehmer länger im Unternehmen zu halten. Wenn Arbeitnehmer über 50 aber ihren Job verlieren, ist es für sie umso schwieriger, wieder im Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.


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Die große Hürde für ältere Arbeitnehmer sei der Wiedereinstieg, betonte Gerhard König, Assistent des Vorstandes des Arbeitsmarktservice (AMS), vergangene Woche im Rahmen einer Tagung zum Thema Zukunftsperspektiven für ältere Arbeitnehmer des Österreichischen Bundesinstituts für Gesundheitswesen in Wien.

Die durchschnittliche Verweildauer in der Arbeitlosigkeit steigt parallel mit dem Alter der arbeitslosen Personen: In der Gruppe der 15- bis 25jährigen betrug sie im vergangenen Jahr durchschnittlich 67 Tage, 112 Tage waren es bei 40- bis 44jährigen, bei 45- bis 49jährigen schon 117 Tage, 189 Tage sind im Schnitt 55- bis 59jährige ohne Job, und traurige Spitzenreiter sind die Arbeitslosen ab 60 Jahren mit 439 Tagen.

Ältere Arbeitnehmer seien durchaus auch zu Gehaltseinbußen bereit, wenn sie in einen neuen Job einsteigen, weiß der AMS-Experte. Dies ziehe seitens der Unternehmer jedoch mitunter den falschen Schluss mit sich, dass jene, die weniger bezahlt bekommen, auch weniger bei der Sache seien, so König. Ein wichtiger Anreiz für die Arbeitgeber wäre seiner Ansicht nach die Senkung der Lohnnebenkosten.

Um mit dem raschen Wandel des Arbeitsmarktes auch nur einigermaßen mithalten zu können, ist Weiterbildung unerlässlich, denn die Qualifikationsanforderungen steigen in allen Bereichen, betont König. Das Interesse an Aus- bzw. Weiterbildung sinke jedoch mit steigendem Alter, wie König ausführte. Die Ausgaben für Weiterbildungsmaßnahmen sind jedoch eher dürftig im Vergleich zu jenen für die Primärausbildung (siehe Grafik unten).

Um Arbeitslosigkeit älterer Arbeitnehmer zu verhindern, bietet das AMS Qualifizierungsmaßnahmen für Arbeitnehmer ab 45. Die Höhe der Förderung entspricht hier zwei Drittel der anfallenden Kursgebühren, die Finanzierung erfolgt je zur Hälfte durch das AMS sowie den ESF (Europäischer Sozialfonds). Außerdem soll eine kostenlose Qualifizierungsberatung des AMS für Klein- und Mittelbetriebe (KMU) die Durchführung von Weiterbildungsmaßnahmen erleichtern.

Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 219.000 Personen vom AMS gefördert, 21% davon waren über 45 Jahre alt.