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Lateinamerikaner möchten sich im Irak Staatsbürgerschaft erkämpfen

Von Klaus Blume

Politik

Mexiko-Stadt - Der Militäreinsatz der USA gegen den Irak wird von der großen Mehrheit der Lateinamerikaner abgelehnt. Die wenigen Regierungen, die den Kriegskurs von Präsident George W. Bush unterstützen, sehen sich daheim wütenden Protesten ausgesetzt. Doch im Gegensatz zur vorherrschenden Meinung in der Bevölkerung würde eine kleine Schar von Lateinamerikanern am liebsten an Euphrat und Tigris unter dem Sternenbanner mitkämpfen.


Bei verschiedenen US-Konsulaten in Mexiko und in Bolivien wurden seit Beginn der Militäroffensive Dutzende junger Männer vorstellig, um sich als Freiwillige für die US-Streitkräfte zu melden. Im Gegenzug hofften sie, die US-Staatsbürgerschaft oder zumindest eine Arbeitserlaubnis im reichen Land im Norden zu erlangen. Doch eine Chance hatten sie nicht. Die Vertreter Washingtons vor Ort belehrten sie, dass nur US-Bürger oder Einwanderer, die bereits eine Aufenthaltserlaubnis besitzen, in der US-Armee dienen dürfen.

Zu letzterer Kategorie gehörte der 22-jährige Jose Gutiérrez. Er war ein Straßenkind in Guatemala und schlug sich 1997 als blinder Passagier auf Überlandzügen von seiner mittelamerikanischen Heimat über 3000 Kilometer bis nach Los Angeles, Kalifornien, durch. Dort schaffte er es, die "Green Card", die begehrte Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis zu erlangen. Um seine Einbürgerung zu beschleunigen und in der Hoffnung auf ein Stipendium meldete er sich im vorigen Jahr als Freiwilliger bei den Marines. Kurz vor seinem ersten Jahrestag in Uniform starb Gutierrez am 21. März bei den Kämpfen um die irakische Hafenstadt Umm Kasr.

Rund zehn Prozent aller im Irak-Krieg dienenden US-Soldaten sind nach Angaben des Pentagons lateinamerikanischer Herkunft. Präsident Bush verfügte voriges Jahr, dass Inhaber einer "Green Card", die in den Streitkräften dienen, schneller als bisher eingebürgert werden können. Auf die Staatsbürgerschaft hoffte auch der Mexikaner Jose Angel Garibay (21). Er kam bei einem Gefecht nahe Nasiriya ums Leben. "Auch wenn er sich als Mexikaner fühlte, liebte er die Vereinigten Staaten. Er sagte, er würde als Held zurückkehren", erzählte seine in Kalifornien lebende Schwester Journalisten. Gutierrez und Garibay sind zwei von bisher vier "Latinos", die in den ersten beiden Kriegswochen im Irak ihr Leben für ihr Gastland ließen. Nach Angaben der US-Einwanderungsbehörde INS wird beiden die amerikanische Staatsbürgerschaft posthum verliehen.