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Lateinamerikas linker Leuchtturm

Von WZ-Korrespondent Tobias Käufer

Politik

Correa: "Wir sind die erfolgreichste Wirtschaft Südamerikas."


Bogotá/Quito. Nur für wenige Minuten fehlten dem ansonsten so redseligen Wahlgewinner die Worte. Als sich der frisch wiedergewählte Präsident Ecuadors auf dem Balkon des Präsidentenpalastes in Quito seinen Anhängern präsentierte, kullerten die Freudentränen über seine Wangen. Rafael Correa bleibt nach einem deutlichen Wahlsieg mit fast 57 Prozent der Stimmen für vier weitere Jahre das Staatsoberhaupt des südamerikanischen Landes. Ein zweiter Wahlgang ist angesichts des deutlichen Ergebnisses nicht mehr notwendig.

Kurz nachdem das ecuadorianische Fernsehen die Prognosen und die erste Hochrechnung verkündet hatte, erklärte das charismatische Staatsoberhaupt auf einer Pressekonferenz die künftige Ausrichtung der Politik des aufstrebenden südamerikanischen Landes. Sein Sieg sei eine klare Niederlage der merkantilistischen Presse, sagte Correa. "Wir mussten eine Schmutzkampagne der nationalen und internationalen Presse hinnehmen", sagte der Wirtschaftswissenschafter. "Das ist Geheimdienstarbeit, organisiert von Vaterlandsverrätern." Internationale Journalistenverbände wie "Reporter ohne Grenzen" hatten Correa dagegen schon vor dem Urnengang aufgefordert, Journalisten nicht länger als Lügner und Manipulatoren zu verunglimpfen und repressive Gesetze zurückzunehmen.

Correa - linker Kronprinz

"Wir sind die erfolgreichste Wirtschaft Südamerikas", unterstrich Correa den Grund für seinen Wahlsieg. "Wir haben die Revolution in Südamerika gefestigt." Das ungewisse gesundheitliche Schicksal des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez, der am Montag überraschend in seine Heimat zurückkehrte, und das absehbare Ende der greisen Castro-Herrschaft auf Kuba lässt den Einfluss des Erfinders der Bürgerrevolution und selbsternannten "Links-Katholiken" Correa in der Regie der in Lateinamerika dominierenden Sozialisten weiter wachsen. "Vereint können wir der Globalisierung und dem internationalen Kapital begegnen", rief er die südamerikanischen Regierungen zur Geschlossenheit auf.

Noch am Wahlabend nutzte Correa die Gelegenheit, neue Dynamik in die festgefahrenen Verhandlungen um die Ausreise des australischen Wikileaks-Gründers Julien Assange (41) zu bringen, der sich seit Monaten in der ecuadorianischen Botschaft in London aufhält. Die britische Weigerung, Assange die Ausreise zu ermöglichen, sei "Neokolonialismus" erklärte Correa und rief "die juristischen Instanzen Europas" auf, den Fall endlich zu klären. Sein Schicksal liege in Europas Hand, so Correa. Sein Land habe als souveränes Land die notwendigen Maßnahmen ergriffen, um einen Menschen zu schützen der in Lebensgefahr sei.

Der Internetaktivist war im Juni vergangenen Jahres in die ecuadorianische Botschaft in London geflüchtet, um einer Auslieferung nach Schweden zu entgehen. Dort werden ihm Sexualdelikte zur Last gelegt, die der Australier bestreitet. Assange fürchtet, nach einer Auslieferung nach Schweden anschließend in die USA ausgeliefert zu werden. Dort könne ihm wegen der Veröffentlichung vertraulicher US-Dokumente sowie Informationen aus den Kriegen in Afghanistan und dem Irak der Prozess gemacht werden.

Druck im Fall Assange

Ecuador hat Assange vor Monaten politisches Asyl zugesichert. Die britische Polizei will den Australier allerdings festnehmen und nach Schweden ausliefern, sobald er das Botschaftsgelände verlässt. Aus dem Exil will sich Assange im September bei den Wahlen zum australischen Oberhaus bewerben. Im Falle eines Sieges glaubt er, dass die britischen Behörden aus Angst vor diplomatischen Verwicklungen von einer Verhaftung absähen. Gleichzeitig macht Correa Druck: Europa müsse sich positionieren.

Das wachsende Selbstbewusstsein Ecuadors ist auch in einer anderen Frage bis nach Europa zu spüren. Den vielen tausenden ecuadorianischen Migranten, die es aus dem krisengeschüttelten Spanien zurück in die Heimat zieht, reicht Correa die Hand: "Wir werden sie aufnehmen und ihnen Unterstützung gewähren." Im Gegensatz zu vielen anderen sozialistischen lateinamerikanischen Präsidenten, denen die Auswanderer ihm Ausland die Gefolgschaft an der Urne verweigern, konnte Correa auch die Mehrheit der Stimmen der in Spanien lebenden Ecuadorianer gewinnen.