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Le Pen und Goldenberg

Von Rainer Mayerhofer

Politik

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Zwei Tage lang rätselte man in Paris, ob Jo Goldenberg, Eigentümer des berühmtesten jüdischen Restaurants der französischen Hauptstadt, bei den Wahlen am Sonntag ins Lager des Rechtsextremisten Le Pen gewechselt ist. "Le Pen präsentiert die Verteidigung Frankreichs, er hat patriotischen Sinn und das ist das, was mich interessiert. Vor Jahren sagte er schockierende Dinge, aber jetzt hat er sich geändert. Ich glaube, dass heute in der jüdischen Gemeinschaft die Zustimmung für ihn gewachsen ist" hatte der Restaurantbesitzer gegenüber "France Presse" erklärt und nicht für wenig Aufsehen gesorgt. Sein Enkel Max Grinberg hatte schon am Tag darauf beim Restauranteingang ein Kommunique angeschlagen - unter der Gedenktafel für die sechs Opfer des palästinensischen Anschlags vom 9. August 1982: "Seine Erklärungen betreffen nur ihn und sein Gewissen und beleidigen unsere Gemeinschaft. Sie reflektieren das Delirium eines 79-jährigen. Er ist sehr alt, kümmert sich nicht mehr um das Restaurant und ist nur mehr Besitzer des Gebäudes."

Le Pen jedenfalls ging schon Montag mit Goldenbergs Erklärung auf Wahlkampftour, was diesem dann doch zu peinlich war. "Ich habe nie gesagt, dass ich ihn gewählt habe und auch keine Wahlempfehlung für Le Pen abgegeben" ließ Goldenberg Dienstagabend über "France Press" verlauten.