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"Leakgate": Große Mehrheit will einen Sonderermittler

Von Rainer Mayerhofer

Politik

Nahezu sieben von zehn Amerikanern haben sich in einer im Auftrag der "Washington Post" und den ABC-News durchgeführten Umfrage dafür ausgesprochen, dass die Verbindungen der Bush-Administration mit der Enttarnung einer CIA-Agentin von einem Sonderermittler untersucht werden sollen.


81 Prozent der Befragten halten die Angelegenheit, die inzwischen den Namen "Leakgate" erhalten hat - nach "leak" (Leck) und Watergate, der Affäre, die 1975 dem damaligen Präsidenten Richard Nixon das Amt gekostet hat - für eine sehr ernste Sache und 72 Prozent glauben, dass die undichte Stelle, durch die der Name der Agentin an die Öffentlichkeit gekommen ist, im Weißen Haus zu suchen ist.

Die Umfrage zeigt, dass das Vorhaben Bushs, die Angelegenheit durch das Justizministerium untersuchen zu lassen, auf wenig Gegenliebe stößt. Selbst in Bushs eigener Partei gibt es erste Kritik. So verlangte der republikanische Senator Chuck Hagel, dass Bush eine aktivere Rolle einnehmen müsse, um die Sache hinter sich zu bringen. Bush müsse sich mit seinem Vizepräsidenten zusammensetzen und ihn fragen, was er von der Sache weiß, sagte Hagel.

Bush-Freunde außerhalb des Weißen Hauses versuchen nach einem Bericht der "Washington Post" den Ex-Botschafter Joseph Wilson, den Ehemann der enttarnten CIA- Agentin, den Hauptankläger in der Affäre, zu diskreditieren.

Der Name von Wilsons Frau Valerie Plame war in einer Kolumne des erzkonservativen CNN-Kommentators Robert Novak Mitte Juli an die Öffentlichkeit gezerrt worden. Novak hatte Wilson wegen seines Dementis einer angeblichen Verbindung des Iraks mit Uran-Käufen in Niger angegriffen und nebenbei erwähnt, dass Wilsons Ehefrau für die CIA im Bereich Massenvernichtungswaffen tätig war und gleich auch ihren Namen mitgeliefert. Als Quelle für diese Nachricht gab Novak ungenannte Mitarbeiter des Weißen Hauses an, das durch Wilsons Bericht erheblich in die Enge getrieben worden war. Der Entlastungsversuch Novaks wurde aber selbst zur Belastung, nachdem, die "Washington Post" vor einigen Tagen über die Affäre berichtet hatte. Novak musste eingestehen, dass ihn die CIA gebeten habe, den Namen der Frau nicht zu nennen. Er habe die Agentin aber nicht in Gefahr gebracht, denn sie habe "nur" verdeckt spioniert und arbeite unter dem Deckmantel einer normalen Beschäftigung bei einer normalen US-Behörde, wehrte sich der Journalist, der seine genaue Quelle nicht preisgibt. Präsidentensprecher Scott McClellan hat dementiert, dass Präsidentenberater Karl Rove, der als mögliches Leck ins Gerede geraten war, die Quelle sei.

Der Minderheitsführer im Senat, Tom Daschle und drei seiner demokratischen Kollegen forderten von Bush, dass alle wichtigen Mitarbeiter des Weißen Hauses eine Erklärung unterschreiben sollten, dass sie nicht die lecke Stelle seien.