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Leasing-Branche: Knappe Margen und Konsumflaute

Von Stefan Melichar

Wirtschaft

Erstes Halbjahr war nur "verhalten". | Ost-Töchter müssen Österreich-Geschäft "subventionieren". | Wien. Die heimische Leasing-Branche hat schon günstigere Rahmenbedingungen erlebt: Angesichts der abflauenden Konjunktur ist bereits von sinkender Konsumlaune die Rede. Darüber hinaus klagt der Verband Österreichischer Leasing-Gesellschaften (VÖL) über einen Verfall der Gewinnmargen am Inlandsmarkt.


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Als "verhalten" bezeichnet VÖL-Präsident Rudolf Fric im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" die Geschäftsentwicklung im ersten Halbjahr 2008. Für das Gesamtjahr erwartet Fric beim Neugeschäft lediglich eine Steigerung "über der Inflationsrate". Im Vorjahr konnte immerhin ein Wachstum von 8,3 Prozent erzielt werden. Nach 6,5 Mrd. Euro Neugeschäft im Jahr 2007 dürfte dieses heuer zwischen 6,5 und 7 Mrd. Euro ausmachen.

Schuld an der mäßigen Entwicklung sind laut Fric Konjunkturprobleme. VÖL-Vizepräsident Karlheinz Sandler weist auf "leicht rückläufige" Tendenzen im Kfz-Leasing hin. Bereits im Vorjahr musste die Branche hier einen Rückgang bei der Zahl der neu abgeschlossenen Verträge hinnehmen. Der Trend zu spritsparenden, kleineren - und damit billigeren - Autos dürfte sich aber nun auch deutlich auf das Finanzvolumen des Neugeschäfts durchschlagen. Sandler erwartet hier keine Steigerung. 2007 konnte im Kfz-Bereich ein Neugeschäftsvolumen von 3,5 Mrd. Euro erzielt werden.

Teure Refinanzierung

Ein weiteres Sorgenkind der heimischen Leasing-Branche ist das Geschäft mit der öffentlichen Hand. Zwar sei es, so Fric, mittlerweile durchaus üblich, dass zum Beispiel Gemeinden Kindergarten- oder Schulgebäude nicht mehr selbst besitzen, sondern diese über längerfristige Leasingverträge nutzen. Einerseits spüren die Leasing-Gesellschaften aber die Konkurrenz durch sogenannte Betreibermodelle, bei denen Gebietskörperschaften gewisse Aufgaben in privatwirtschaftlich geführte Tochterunternehmen auslagern. Andererseits sind in diesem Bereich die Gewinnmargen laut Fric "sehr beschränkt". Glaubt man den VÖL-Spitzen, trifft Letzteres überhaupt für den gesamten Inlandsmarkt zu. "Wir sind in einer Phase, in der das Leasing-Geschäft wenig profitabel ist", meint Fric.

Besonders begehrte Kunden mit guter Bonität seien in der Lage, entsprechend günstige Konditionen zu verlangen. Höhere Refinanzierungskosten aufgrund der internationalen Kreditkrise könnten, so Sandler, nicht vollständig weitergegeben werden.

Umso hoffnungsvoller blicken die heimischen Leasing-Firmen über die Landesgrenzen hinaus. 2007 konnten die diversen Auslandstöchter beim Neugeschäft einen Zuwachs von 38 Prozent auf 15,2 Mrd. Euro verbuchen - 13,7 Mrd. Euro davon in Osteuropa. Die dortigen Tochterfirmen würden mittlerweile das Österreich-Geschäft subventionieren, meint Fric.

Im Ausland setzt die Branche neben dem bewährten Kfz- und Immobiliengeschäft auch auf das sogenannte Restwertleasing im Mobilienbereich. So finden Maschinen, die nicht mehr auf dem letzten Stand der Technik sind und deshalb von heimischen Firmen ausgetauscht werden, in Osteuropa durchaus Abnehmer.